"Während meiner Reise nach Bangladesch musste ich feststellen, dass Mikrokredite für die Ärmsten der Armen unerreichbar bleiben. Die Antwort der Bundesregierung auf unsere Kleine Anfrage bestätigt dies. Dennoch fördert die Bundesregierung Mikrofinanz-institutionen mit durchschnittlich 145 Mio. Euro jährlich. Alternativen zum Mikrofinanzmodell werden zu wenig unterstützt.
Die Bundesregierung versteht unter Nachhaltigkeit, dass die vor allem weiblichen Kreditnehmerinnen die Kredite zurück bezahlen. Dabei ist ihr sehr wohl bekannt, dass dies vielen Menschen kaum oder nur unter großen Opfern gelingt, sei es wegen der frühen Rückzahlungspflichten oder der horrenden Zinsen. Zur Lösung von Rückzahlungsschwierig-keiten legt die Bundesregierung Mikroversicherungen gegen Kreditausfall nahe, obwohl diese den Schuldnerinnen und Schuldnern noch mehr Kosten verursachen. In den Dörfern wo Mikrokredite vergeben wurden, diskutieren die Menschen beinahe nur noch über die Rückzahlung der Kredite. Wichtige Fragen - etwa danach, wem das Land, das Wasser, das Saatgut, die Arbeit, die Macht im Dorf gehören - geraten aus Blickfeld.
Es gibt zudem Belege dafür, dass Mikrokreditprogramme eine Struktur aus kaum konkurrenzfähigen Kleinstunternehmen begünstigen, die eine gesamtwirtschaftliche Entwicklung behindern können. Auf eine unabhängige Evaluierung der Programme legt die Bundesregierung jedoch offensichtlich keinen Wert. Unterm Strich bleibt die Frage, ob mittels Mikrokrediten die sozialen Folgen und die Verantwortung der weltweiten Liberalisierungspolitik auf die armen Menschen in Entwicklungsländern abgewälzt werden sollen."