Das Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen und der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) haben am heutigen Montag (17. Oktober) erneut in scharfer Form die ständigen Urantransporte von und nach Gronau zur Urananreicherungsanlage kritisiert. Aktuell ist es den Bürgerinitiativen heute wieder gelungen, einen der zahlreichen und hochgefährlichen Atomtransporte zu beobachten und zu enttarnen. In der Mittagszeit hat ein Sonderzug die Urananreicherungsanlage Richtung Münster verlassen.
Er bestand aus einer Lokomotive der Bentheimer Eisenbahn und aus neun Güterwaggons, die alle mit Gefahrgutzeichen versehen waren. Der Deklaration zufolge war das Transportgut radioaktiv und ätzend. Es ist davon auszugehen, dass Uranhexafluorid-Container transportiert wurden. Der Zug wurde auch in Steinfurt-Borghorst, Münster und in Emsdetten beobachtet. Somit durchquerte er weite Teile des Kreises Steinfurt und Münster.
Im Münsteraner Hauptbahnhof befand sich der Zug inmitten anderer Reisezüge und inmitten zahlloser Reisender. Der Sonderzug mit der strahlenden Fracht fuhr ohne Polizeischutz und hatte zum Teil etwa 100 Stundenkilometer. Willi Hesters vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen bezeichnete das Tempo des Zuges als "extrem überhöht" und erinnerte an Schrankenpannen und weitere Unfälle an der Bahnstrecke. Vermutlich hatte der Transport als Zwischenziel den Hafen in Rotterdam.
Unter www.youtube.com/watch findet man im Internet einen Film über die Durchfahrt des Atomtransportes im extremen Tempo im Bereich des Bahnhofs in Emsdetten.
Uranhexafluorid wird in großen Mengen von und nach Gronau transportiert, in der Urananreicherungsanlage verarbeitet und neben der Anlage unter freiem Himmel in großen Mengen gelagert. Uranhexafluorid ist radioaktiv und reagiert bei Freisetzungen mit Wasser zur extrem ätzenden Flusssäure. 2010 wurde ein Arbeiter in der UAA mit Uranhexafluorid verseucht und immer wieder kommt es in der Anlage zu Pannen.
Die Bürgerinitiativen kritisieren massiv die NRW-Landesregierung, da diese die Urantransporte nach wie vor unbehelligt fahren läßt. Ursprünglich hatte die Landesregierung angekündigt, weitere Atomtransporte durch NRW zu verhindern. Die Anti-Atomkraft-Bewegung fordert das Verbot aller Atomtransporte und die sofortige Stilllegung der UAA Gronau und aller Atomanlagen. Um auch in Gronau den Forderungen Nachdruck zu verleihen wird im Rahmen eines bundesweiten Streckenaktionstages gegen Atomtransporte am 29. Oktober am Gronauer Bahnhof eine Mahnwache stattfinden. Sie beginnt um 12.00 Uhr und wird bis 13.00 Uhr dauern. Im Gronauer Bahnhof wurden wiederholt Uran- und Castor-Transporte umrangiert. Mit einer Kundgebung wird am 6. November um 15.00 Uhr direkt an der Urananreicherungsanlage (Rötgenstraße 4) demonstriert. Und in dieser Woche findet in der Gronauer Gaststätte Concordia (Eper Straße 13) ein Informationsabend über die Fukushima-Katastrophe mit dem japanischen Atomkraftgegner Kazuhiko Kobayashi statt. Beginn ist um 19.00 Uhr, der eintritt ist frei.
Weitere Informationen gibt es beim Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau telefonisch unter 02562-23125. Informationen im Internet gibt es unter www.aku-gronau.de , www.urantransport.de und www.bbu-online.de.
--------------------------------
Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen
SOFA (Sofortiger Atomausstieg) Münster
17. Oktober 2011
Neuer Uranzug aus Uranfabrik Gronau:
Uranwaggons am hellichten Tag in Münsteraner Hauptbahnhof
Verunreinigte Uranbehälter auf Weg nach Großbritannien?
Hinweis: Fotos vom Uranzug in Münster im Anhang
AtomkraftgegnerInnen ist es heute Mittag gelungen, einen geheim gehaltenen Uranzug der Firma Urenco aus der Urananreicherungsanlage Gronau aufzudecken:
Gegen 12.05 Uhr verließ der Uranzug mit 9 großen Waggons und einer Diesellok der Bentheimer Eisenbahn das Gelände der Urananreicherungsanlage. Um 12.45 Uhr passierte der Zug Burgsteinfurt-Borghorst.
Um 13.18 Uhr passierte der Uranzug zum ersten Mal den Münsteraner Hauptbahnhof auf dem Durchfahrtsgleis 13. Danach wurde der Uranzug auf den Gütergleisen in Höhe des Cineplex umrangiert und passierte um 13.48 Uhr erneut den Hauptbahnhof auf Gleis 13. Dabei hielt der Zug zwei Minuten lang mitten im Hauptbahnhof vor einem roten Signal – warnende Durchsagen gab es für die Pendler auf den Bahnsteigen keine, weder Bundespolizei oder Bahnmitarbeiter sicherten den Zug und die Bahngleise!
Um 14.15 Uhr passierte der Uranzug schließlich Emsdetten auf dem Weg zum Grenzübergang Bad Bentheim.
www.youtube.com/watch
Die Anti-Atomkraft-Initiativen vermuten, dass es sich um verunreinigte „Leer“-Behälter handelt, die in der Urenco-Uranfabrik von Capenhurst in Großbritannien gesäubert werden sollen. Die sog. Leerfässer sind besonders gefährlich, weil sich Reste des Uranhexafluoridgemisches am Boden als Klumpen absetzen und dabei in konzentrierter Form radioaktive Strahlung abgeben. 2006 hatten sog. Leerfässer einen offiziellen Strahlenalarm in Trier ausgelöst, im Januar 2010 war ein verunreinigtes, „leeres“ Uranfass für den schweren Störfall in der UAA Gronau verantwortlich, bei dem ein Arbeiter verstrahlt wurde.
Die Anti-Atomkraft-Initiativen erneuertem in diesem Zusammenhang ihre Forderung an die NRW-Landesregierung, sofort einen Transportstopp für Atomtransporte in NRW zu verhängen: „Es kann nicht sein, dass am hellichten Tage geheime Atomtransporte quer durch belebte Bahnhöfe fahren und die Landesregierung als Atomaufsicht dies einfach verschweigt. Rot-Grün in Düsseldorf hat offensichtlich nicht verstanden, dass derartige Atomtransporte nach Fukushima und dem bundesweit beschlossenen Atomausstieg nicht mehr hinzunehmen sind. Wer den Atomausstieg will, muss endlich die Urananreicherungsanlage Gronau als Quelle dieser Atomtransporte stilllegen,“ so Matthias Eickhoff von der Initiative SOFA (Sofortiger Atomausstieg) Münster.
Hinweis für die Redaktionen:
Im Anhang finden Sie drei aktuelle Fotos zum heutigen Urantransport, die gegen 13.48 Uhr im Münsteraner Hauptbahnhof aufgenommen wurden. Zu sehen sind der Uranzug auf Gleis 13, ein wartender Regionalexpress auf Gleis 14 sowie die (sehr kleinen) Warnzeichen an den Waggonplanen. Diese Fotos dürfen Sie gerne für Ihre Berichterstattung verwenden.
Ein Video über den rasenden Uranzug durch den Bahnhof von Emsdetten 17.10.11 um 14.15 Uhr finden Sie unter:
www.youtube.com/watch
Internet: www.urantransport.de www.sofa-ms.de www.kein-castor-nach-ahaus.de