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Nuri Aygün (na), Nils Böhlke (nb), Anna Conrads (ac), Darius Dunker (dkd), Hans-Werner Elbracht (hwe), Gabriele Lenkenhoff (gle), Sefika Minte (smi), Irina Neszeri (in), Karina Ossendorff (ko)
Die "Initiative Waldfreiheit" versteht sich als Bürgerbündnis gegen die Befürworter eines Nationalparks, die nur einen Konsens kennen, „nämlich die Einigung auf einen Nationalpark“. Scheinbar ist ihnen entgangen, dass eine offene und sachliche Diskussion um das Für und Wider eines Nationalparks in der Region hauptsächlich von CDU und FDP und diversen Interessengruppen gegen einen Nationalpark unterbunden wird
Im Mittelpunkt der Kritik der Nationalparkgegner steht die einseitige Nutzung der Landschaft für den Naturschutz, verbunden mit Auflagen, die andere, besonders wirtschaftliche Nutzungen einschränken. Diese wegfallenden Nutzungen werden mit der Absicht überdramatisiert, den Menschen in der Region zu suggerieren, dass ein Nationalpark weitaus mehr Nachteile als Vorteile mit sich bringt.
Tatsächlich wird es zu Einschränkungen kommen, das geschieht immer, wenn eine vorrangige Nutzung eines Raumes festgeschrieben wird: Man kann auch schlecht auf einem Autobahnkreuz einen Fußballplatz errichten, aber von dem Autobahnkreuz profitieren viele und für den Fußballplatz gibt es andere Orte. In gleicher Weise ist von einem Nationalpark auch nur ein Teil des Teutoburger Waldes betroffen und die Einschränkungen betreffen nur kleine Personenkreise, während von den Vorteilen ein Großteil der Menschen (nicht nur) vor Ort profitieren wird.
Ein Teil der Argumentationskette der NP-Gegner sieht etwa folgendermaßen aus: „Reiner Naturschutz“ bedeutet „Betretungsverbot“, „keine Brennholzentnahme“ und die „Umforstung zu einem Buchen-Urwald, der sich selbst überlassen dann vor sich hinmodert“.
Diese Argumentation ist schon im Grundsatz falsch, da im Umweltschutz-Recht in Deutschland das anthropozentrische Verständnis im Vordergrund steht, die Natur also für den Menschen geschützt wird: Für Naturerleben und Erholung, Bildung und Forschung, etc. Und natürlich aus Verantwortung für nachfolgende Generationen.
Um einen solchen Schutz zu bewerkstelligen müssen Kompromisse geschlossen werden: Um den Tieren ungestörte Rückzugsräume zu schaffen muss ein verbindliches Wegenetz die Besucher leiten, genauso muss einer Störung durch individuelle Brennholzentnahme entgegengewirkt werden. Das bedeutet aber nicht, dass Brennholz nicht durch den Nationalpark-Betrieb verfügbar gemacht werden kann.
Das, was von den Gegnern als „vor sich hinmodernder Buchen-Urwald“ bezeichnet wird ist in Wirklichkeit ein mittelgebirgstypischer Mischwald, der irgendwann alle Phasen von Entstehung und Vergehen aufzeigen wird. Ein solches Bild mag im Vergleich mit einer Fichtenmonokultur oder einem Laubwald-Forst mit ausgeräumten Unterholz etwas „unaufgeräumt“ wirken, aber genau diese „Unaufgeräumtheit“ kennzeichnet artenreiche Lebensräume mit einer weiten Palette ökologischer Nischen. Die natürliche Ausdünnung des Baumbestandes wird darüber hinaus dazu beitragen, dass sich auch die unteren Schichten des Waldes entwickeln und neue, vielfältige Lebensräume bereitstellen.
Ein Hauptargument der Nationalparkgegner ist der drohende Verlust an Einnahmen und Arbeitsplätzen in der Forst- und Holzwirtschaft. Auch dieses Argument ist nicht grundsätzlich falsch, muss aber im richtigen Zusammenhang gesehen werden. Zuallererst: Die mitteleuropäische Forst- und Holzwirtschaft krankt bereits seit längerem, da sie beispielsweise mit den asiatischen Märkten nicht konkurrieren kann. Einnahmen und Arbeitsplätze sind lange schon rückläufig. Darüber hinaus weist das Roland-Berger-Gutachten einen drohenden Arbeitsplatzverlust in der Höhe von 42 Arbeitsplätzen aus, dem 129 neue Stellen in Tourismus, Nationalpark-Verwaltung und -Betrieb gegenüber stehen. Auf der Grundlage des Tourismus und der Förderung wird von einem regionalökonomischen Effekt von 5,9 Mio. € jährlich ausgegangen, ein konsequentes Vorgehen bei der Regionalentwicklung vorausgesetzt.
Die Nationalparkgegner zweifeln das Gutachten an, waren aber bis heute nicht in der Lage, irgendwelche für die Gegenargumentation belastbare Zahlen zu liefern.
Für die kommenden Jahrzehnte würde Nadelholz in deutlich größeren Mengen zur Verfügung stehen, die Laubholzgewinnung würde aber zurückgehen. Die regionale Holzverarbeitung müsste also tatsächlich Holz aus anderen Teilen der Egge oder des Teutoburger Waldes beziehen, für die Kaminholzversorgung gäbe es aber keine Probleme, abgesehen davon, dass nicht jeder individuell nach Gutsherrenart Kaminholz schlagen dürfte.
Neben diesen Hauptargumenten gibt es einige andere, wie den Verlust räumlicher Identität sobald aus Forsten Naturwald wird, das Drohen von Borkenkäferplagen wie im Bayerischen Wald, eine negative CO2- und Schadstoffbilanz, da viele Menschen den Nationalpark umfahren müssten. Diese Argumente sind wie die ersten beiden Beispiele entweder völliger Unsinn oder wie im dritten Beispiel insofern haarsträubend, dass die Nachteile vor dem erwartbaren Gewinn so verschwindend klein werden, dass man sie getrost außer acht lassen kann. Sie erfüllen sowieso nur die Funktion eines Lückenfüllers auf einem Argumentationspapier, das ohne sie sehr kurz ausfallen würde.
Eine andere – politisch freilich nicht gewollte – Möglichkeit, ein solches Papier zu füllen wäre auch die Gegenüberstellung der immensen Gewinne gewesen, nicht nur für den Menschen sondern auch für die Natur. NRW hat bei der Ausweisung von (besonders größeren, zusammenhängenden) Naturschutzgebieten gegenüber den anderen Bundesländern deutlichen Nachholbedarf. Ein zweiter Nationalpark würde unserem Land sicherlich gut zu Gesicht stehen. Wer die Investition von Steuergeldern in den Schutz der Natur für reine Verschwendung hält muss sich zumindest fragen lassen, ob nicht auch er dazu moralisch verpflichtet ist, einen Anteil an der Erhaltung unseres Planeten für nachfolgende Generationen zu leisten.
Steuergelder kann man sinnvoller in Afghanistan einsparen.