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Ein Freund von mir brachte mir vor vielen Jahren eine Kopie des Hörbuches: "Das Ende des Kapitalismus, so wie wir ihn kennen." mit. Fortan war die CD auf langen Autofahrten meine Begleiterin. Durch diese Ohrlektüre angeregt, war der Wunsch, den Autor für eine Veranstaltung im Rahmen der innerparteilichen politischen Bildung für den Kreisverband Essen zu gewinnen, nur noch eine Frage der Zeit. Zweimal musste der Termin verschoben werden. Beim dritten Mal hat es geklappt:
Die Veranstaltung DIE VERMESSUNG DER UTOPIE, mit dem Politikwissenschaftler Prof. Dr. em. Elmar Altvater am 8. Februar 2012, war mit über 60 Personen gut besucht. Aus den verschiedensten Städten u. a. Gelsenkirchen, Mülheim, Steinfurt und sogar aus Ostwestfalen-Lippe waren Besucher gekommen.
Elmar Altvater wurde während seines fast einstündigen Vortrages so gebannt zugehört, man hätte eine Stecknadel fallen hören können, wenn sie denn gefallen wäre. Er sprach mit präziser Stimme, die bis in die letzte Reihe zu hören war, obwohl er nicht laut sprach. Kein Zwischenruf unterbrach ihn. Keine Nebengespräche waren zu hören. Elmar Altvater nahm seine Zuhörer mit auf eine Reise in die Vergangenheit des Finanzwesens, um die gegenwärtige Krise des Finanzwesens zu erklären.
Das Zinsverbot, das von Aristoteles im 4. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung begründet und von Augustinus im 4. Jahrhundert n.Ch. zum Kirchengesetz erhoben wurde, ist seit dem 16. Jahrhundert aufgeweicht und dann aufgehoben worden. Nur im Islam gilt es bis heute. Die islamischen Banken haben daher verhältnismäßig unbeschadet die Krise überstanden.
Die Welt der Finanzen führt seit dem 18. und 19. Jahrhundert in Europa und weltweit ein Eigenleben, dem Anschein nach nur ihrer eigenen Logik der exzessiven Steigerung der Rendite verpflichtet. (Altvater, Der große Krach, Seite 53)
Nach dem Börsenkrach 1929 folgte sehr schnell die Schulden-, Finanz- und Bankenkrise in den USA. Ein Jahr später musste das britische Pfund seine Position als Weltwährung räumen. Damit kollabierte der Welthandel. So fehlten in Deutschland z.B. die Devisen für Erdöl und man kam auf so aberwitzige Ideen, wie z.B. Benzin aus der heimischen Kohle zu hydrieren. ( Altvater, Chance gehabt, Chance verpasst. Artikel im 'Freitag' vom 05.02.2012) Der Kampf um Rohstoffe, um Ressourcen eskalierte, und damit der Kampf um Gebiete, u.a. intervenierte Italien nach Nord- und Ostafrika, Japan auf das chinesische Festland und Deutschland in den Osten. Die NS-Verbrechen waren wie ein Tsunami in diesem Meer von Gewalt. Erwähnt werden sollte auch die Ausbeutung der dritten Welt nach dem 2. Weltkrieg und der Petrodollar. Das Öl stärkte den eigentlich schwachen Dollar bis heute und dafür bekamen die Saudis Waffen von den USA geliefert.
Hat der Finanzkapitalismus etwas aus der Weltwirtschaftskrise von 1929 gelernt? Es bestehen durchaus auch in konservativen Kreisen Zweifel darüber, ob dem Tanz um das goldene Kalb, dem grenzenlosen Wachstum, nicht Grenzen gesetzt werden müssen. So stellt Charles Moore, autorisierter Biograf von Margaret Thatcher, die Frage, ob der Kapitalismus noch in diese Welt passt? Anders herum gefragt, passt die Welt in diesen Kapitalismus? Und noch einmal anders gefragt: Muss man die Welt dann passend zum Kapitalismus machen angesichts der umfassensten, größten, tiefsten und gewalttätigsten Krise, in die der Kapitalismus geraten ist?
Die Krise ist 2012 nicht überwunden, sie geht weiter ihren Gang. Die Nöte Griechenlands sind auch eine Krise der Gemeinschaft. Geben wir die Gemeinschaft auf, verlieren wir ein Stück Demokratie. Solange Gesellschaften einigermaßen zwischen Schuldner und Gläubiger ausgewogen sind und die Waage sich nicht ungleich verschiebt, ist alles in Ordnung. Wenn die Ungleichheit in einer Gesellschaft zu groß wird, spaltet sie sich, bis hin zur Revolution.
Um aus dieser Spirale heraus zu kommen, könnte z. B. der Schuldenzyklus unterbrochen werden. Griechenland sollte entschuldet werden, bis hin zu 100%. In weiteren gefährdeten Länder der Gemeinschaft, wie z.B. Portugal und Italien wird die Kaufkraft durch die Entschuldung gestärkt. Als erste Maßnahmen könnte die Einführung der Transaktionssteuer den Finanzhandel entschleunigen und die Vermögenssteuer die Staatshaushalte stärken und den Zockerbanken und dem Vollkaskokapitalismus Grenzen setzen für ein schönes Leben für alle.