18. Mai 2017 DIE LINKE. Hamm

Ansiedlung von Call Centern Invitel und Webhelp
Nicht alles Gold was glänzt

Alisan Sengül

Alisan Sengül

Zum 01. Juni startet der Call Center Anbieter Invitel in Hamm und möchte zukünftig bis zu 170 Arbeitsplätze schaffen. Nach Webhelp, ein zweiter Call Center Anbieter, der im April in Hamm startete und bis zu 350 Arbeitsplatze in der Stadt schaffen möchte, ist es die zweite Ansiedlung eines solchen Unternehmens in Hamm in kurzer Zeit. Die Politiker*innen der großen Koalition jubeln und grundsätzlich ist die Schaffung von Arbeitsplatzen hier am Standort natürlich zu begrüßen. Doch zu welchem Preis? Und zu welchen Bedingungen?

„Eine Bezahlung nach Mindestlohn, der kaum zum Leben reicht, enormer Stress und Lärm, unzureichender Gesundheitsschutz, teils massive Überstunden, Schichtdienst, ständige Überwachung der Mitarbeiter sind in der Branche Standard“, sagt Alisan Sengül, Sprecher des Kreisverbandes und beruft sich auf Informationen der Gewerkschaft ver.di und Recherchen der Zeit. Die Techniker Krankenkasse fand zudem heraus, dass die meisten Krankmeldungen in der Branche auf psychische Belastung zurückzuführen sind. „Die Mitarbeiter sind selten gewerkschaftlich organisiert, auch weil die Betreiber dies massiv behindern. Gesetzliche Vorschriften wie Pausen oder Ruhezeiten werden oft ignoriert. Alles was die Mitarbeiter tun, wird überwacht und der Konkurrenzdruck ist hoch“, kritisiert Sengül die oft unzumutbaren Arbeitsbedingungen in der Branche.

„Die Angst vor der Arbeitslosigkeit und dem System Hartz 4 treibt die Menschen dennoch in diese Jobs und das könne wir als Linke, die soziale Gerechtigkeit im Fokus haben und für gute Arbeit zu fairen Löhnen ohne Angst vor sozialem Abstieg kämpfen, nicht unkommentiert hinnehmen. Zwar bleibt abzuwarten, was davon auf die Betreiber hier am Standort zutrifft, aber wir werden die Neuansiedlungen in Hamm kritisch begleiten und im Zweifel an der Seite der Angestellten für bessere Arbeitsbedingen streiten, sollte dies notwendig sein“, ergänzt Roland Koslowski, Bezirksvertreter.

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