1. Dezember 2017 Jürgen Aust, DIE LINKE. NRW

Geschönte Fassade, marode Substanz
Zum Arbeitsmarktbericht NRW November 2017

Jürgen Aust

Jürgen Aust

"Auch der in erster Linie saisonbedingte Rückgang der Arbeitslosenzahlen in NRW kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Dauerbaustellen des NRW Arbeitsmarktes weiterhin ein erschreckendes Ausmaß haben," kommentiert der Sprecher für Arbeitsmarktpolitik im Landesvorstand der Partei DIE LINKE in Nordrhein-Westfalen, Jürgen Aust, die aktuellen Zahlen.

"Während zwar die offiziell registrierte Arbeitslosigkeit auf 668.332 arbeitslose Menschen zurückging, liegt die tatsächliche Arbeitslosigkeit, die beschönigend als Unterbeschäftigung bezeichnet wird, weiterhin bei 920.016 Erwerbslosen. Die offiziellen Zahlen verschleiern Monat für Monat, dass von den 1.189.764 erwerbsfähigen Menschen, die im November 2017 Hartz IV-Leistungen erhielten, allein ca. 750.000 Menschen Langzeitbezieher sind und die offiziell registrierte Zahl von 284.216 Langzeitarbeitslosen nahezu um das dreifache übersteigen. Von diesen Langzeitbeziehern nahmen 2017 bisher lediglich 1,26% eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung auf.

Auch der NRW-Ausbildungsmarkt lässt eine große Zahl von Jugendlichen im Regen stehen, wenn von 136.973 gemeldeten Bewerber*innen allein 22.617 ohne Ausbildungsplatz bleiben.

Doch die unverändert neoliberal ausgerichtete Arbeitsmarktpolitik täuscht die Öffentlichkeit ständig über diese unbearbeiteten Problemlagen hinweg, wenn sie die Zunahme sozialversicherungspflichtige Beschäftigung als den eigentlichen Erfolg verbucht. Dass diese hauptsächlich auf wachsender prekärer Beschäftigung beruht, wird geflissentlich unter den Teppich gekehrt. Denn während die Vollzeitstellen nur um 1% anstiegen, nahmen die Teilzeitstellen um 4,5% auf 1.783.475 Stellen zu. Auch die Leiharbeitsbranche wuchs um weitere 6,7% auf 213.300 Beschäftigte. Diese Zahlen dokumentieren vielmehr, dass sich hinter der regelmäßig geschönten Fassade eine marode Substanz verbirgt. Wenn die weiterhin unverändert hohe Dauerarbeitslosigkeit wirksam bekämpft werden soll, dann müsste ein groß dimensioniertes öffentliches Beschäftigungsprogramm aufgelegt werden, wie es DIE LINKE seit langem fordert, statt die Mittel für öffentlich geförderte Beschäftigung ständig zurückzufahren."

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