2. Februar 2018 Jürgen Aust, DIE LINKE. NRW

Zunahme prekärer Beschäftigung prägt weiterhin den Arbeitsmarkt

Jürgen Aust

Jürgen Aust

Zum Arbeitsmarktbericht NRW Januar 2018 - „Während die offiziellen Arbeitslosenzahlen mit 691.134 arbeitslosen Menschen von der Arbeitsagentur NRW einmal mehr als Erfolg gefeiert werden, liegt die tatsächliche Arbeitslosigkeit mit 933.863 Arbeitslosen um ca. 35% darüber und offenbart erneut das weitgehende Versagen neoliberaler Arbeitsmarktpolitik“, kommentiert der Sprecher für Arbeitsmarktpolitik der Partei Die Linke in Nordrhein-Westfalen, Jürgen Aust, den Arbeitsmarktbericht NRW für Januar 2018.

„Die zentralen Baustellen des Arbeitsmarkts werden von der offiziellen Berichterstattung nahezu tabuisiert. So beträgt die nahezu unverändert hohe Langzeitarbeitslosigkeit mit 285.437 Menschen allein 41,3% der offiziell registrierten Arbeitslosen. Auf dem Ausbildungsmarkt sind wiederum 22.617 Jugendliche ohne Ausbildungsplatz geblieben und gezwungen, sich entweder arbeitslos zu melden oder überwiegend prekäre Jobs anzunehmen. Auch die Leiharbeitsbranche verzeichnet von Monat zu Monat wachsende Zahlen und hat mit 215.000 Beschäftigten ein neues Rekordniveau (Zuwachs von 6%) in NRW erreicht. Die schlechten Nachrichten werden abgerundet durch eine dramatisch hohe Zahl von Menschen im Hartz IV-System. Während 1.187.369 erwerbsfähige Leistungsberechtigte zwischen 15 und 64 Jahren registriert sind, liegt die Zahl bei den unter 15-jährigen mit 490.462 Personen um 11.275 über dem Vergleichsmonat des Vorjahres.

Die darin zum Ausdruck kommende Zunahme von Armutsverhältnissen ist der herrschenden Arbeitsmarktpolitik jedoch keiner Erwähnung wert. Sie gefällt sich vielmehr in Parolen wie „Schwungvoller Start“ oder „Anhaltender Aufschwung“, wenn sie zwar die wachsende sozialversicherte Beschäftigung als Erfolgsschlager verkauft, aber wohlweislich die damit verbundene ständige Zunahme prekärer Arbeitsverhältnisse unterschlägt. So stellt der Arbeitsmarktexperte Lars Niggemeyer vom DGB Niedersachsen fest, dass prekäre Beschäftigungsformen plus reguläre Teilzeit für 77 % (!) aller neu entstandenen Arbeitsverhältnisse ausschlaggebend sind. Von einer nahezu ausschließlich an den Kräften des Marktes orientierten Arbeitsmarktpolitik, wie sie von der neuen Landesregierung repräsentiert wird, werden die von Massenarbeitslosigkeit und Armut betroffenen Menschen in NRW keinen Kurswechsel erwarten können. Dazu bedarf es vielmehr insbesondere breiter gewerkschaftlicher Gegenwehr und zivilgesellschaftlicher Mobilisierung, um die herrschende Politik unter Druck zu setzen, da sich sonst zugunsten der betroffenen Menschen nichts verändern wird.“

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