Kein Atommülltourismus

Flyer; Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen: Jülich-Ahaus Castoren Stoppen! Castoren rollen nicht nur nach Gorleben. 2012 sollen 152 Castor-Behälter mit LKW vom Atom-Forschungszentrum Jülich (bei Aachen) ins Atommülllager Ahaus (Münsterland) gebracht werden.
Wie schon 2005 von Dresden sollen diese Castortransporte über die Autobahnen führen. Bis zu 76 Einzeltransporte sind geplant!

 

DIE LINKE in NRW: Atomkraft? Nein Danke!

Atomausstieg jetzt – Fukushima ist überall!

6. Januar 2012 Darius Dunker, Redaktion Linksletter

AKW-Bau in Borssele und Belene begraben?

https://beeldbank.rws.nl, Rijkswaterstaat

AKW Borssele

Die Pläne für das niederländische AKW Borssele II und das AKW Belene in Bulgarien werden wahrscheinlich nicht verwirklicht. Auch in vielen anderen Ländern wird die Realisation geplanter Atomkraftwerke unwahrscheinlicher.

Die schöne niederländische Halbinsel Walcheren in Zeeland kennen viele in Nordrhein-Westfalen, die etwa nach Domburg oder Ostkapelle ans Meer fahren. Weniger bekannt ist die Küste östlich von Vlissingen an der Scheldemündung, denn dort, bei Borssele, befindet sich das einzige Atomkraftwerk der Niederlande. Eigentlich hätte das AKW Borssele bereits seit 2004 vom Netz sein sollen, so war es jedenfalls 1994 beschlossen worden. 2003 wurde zur Umgehung nachhaltiger Maßnahmen für den Klimaschutz der Weiterbetrieb des alten AKWs bis 2034 beschlossen. Seit 2009 ist geplant, einen zweiten Reaktorblock zu ergänzen. Im selben Jahr ging durch die Übernahme des niederländischen Stromanbieters Essent durch RWE auch ein Anteil am bestehenden AKW Borselle in den Besitz des Essener Energiekonzerns über. RWE kündigte an, sich an dem geplanten AKW Borselle II beteiligen zu wollen. Doch nach Fukushima ist eben doch nicht vor Fukushima. RWE möchte laut Presseberichten nun doch nicht mehr als Hauptinvestor einsteigen, andere private Investoren sind nicht in Sicht, und rufe nach einem Einstieg des niederländischen Staates bleiben bislang unerhört.

Einsprüche gegen das AKW Borssele II, das - sollte es dennoch verwirklicht werden - bei einem Unfall auch Folgen für das rund zweihundert Kilometer entfernte Nordrhein-Westfalen haben könnte, sind nach EU-Recht auch bei uns möglich und nachwievor sinnvoll. Die Frist dafür läuft am 12. Januar ab.

Nicht nur die Atomkatastrophe in Japan, auch die Kostenexplosion in Vorzeigeprojekten wie dem finnischen AKW Olkiluoto nährt die Zweifel an der Legende vom unproblematischen und billigen Atomstrom. Dieses „modernste Kernkraftwerk Europas“, das 2010 hätte ans Netz gehen sollen, wurde mit 3 Milliarden Euro geplant, inzwischen sind die Kosten bei 7 Milliarden angekommen, weitere Steigerungen bis zur Inbetriebnahme werden erwartet.

Ganz ähnlich die finanzielle Entwicklung des geplanten AKW in Belene in Bulgarien. Belief sich ein Kostenvoranschlag 2008 noch auf 3,8 Milliarden Dollar, so ging RWE - damals auch dort als Hauptinvestor genannt - schon 2009 von 10 Milliarden Euro aus. Obschon ein russisches Unternehmen zuletzt die Realisierung für 6,3 Milliarden Euro in Aussicht stellte, scheint das Projekt nun gescheitert: Laut Contratom soll der zuständige Minister das Aus des Kraftwerkbaus verkündet haben. Allerdings plädiert er zugleich für den Ausbau des AKW Kosloduj, wie Belene an der Donau und damit an der Grenze zu Rumänien gelegen, jedoch weiter westlich.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr laut Contratom weltweit nur noch zwei neue AKW-Bauten begonnen (in Pakistan und Indien). Im Jahr zuvor waren es noch 16 begonnene Bauvorhaben.

Japan ist zwar vom Atomausstieg noch entfernt, wird aber im Mai schon einmal simulieren, wie das ist. Dann werden nämlich laut einem Zeitungsbericht aus technischen Gründen vorübergehend alle Atommeiler vom Netz genommen. Es ist zu hoffen, dass dieser Machbarkeitsbeleg der dortigen Anti-Atom-Bewegung weiteren Zulauf beschert.