DIE LINKE in NRW: Atomkraft? - Nein Danke!

Fragen und Antworten zur Atomfrage, von Darius Dunker und Hans-Werner Elbracht

Sollte ich mir Jodtabletten besorgen?

Wenn man genau im richtigen Zeitpunkt vor der Belastung mit radioaktivem Jod-131 Tabletten mit "normalem" Jod einnimmt, kann man damit die Aufnahme des Jod-131 blockieren. Allerdings muss das Jod sehr hoch dosiert sein (man müsste 500 bis 1000 Tabletten der hierzulande erhältlichen Dosierung auf einmal einnehmen) und die Einnahme möglichst genau 12 Stunden vor Eintreffen des radioaktiven Jod-131 erfolgen. Schon acht Stunden nach der Begegnung mit dem radioaktiven Jod-131 ist keine schützende Wirkung mehr zu erzielen. Außerdem hält der Schutz nur 24 Stunden an. Zugleich ist die Aufnahme so großer Jod-Dosen selbst schon gefährlich, sodass es keinen Sinn hat, das auf eigene Kappe zu versuchen und sich womöglich gerade dadurch zu schädigen. Für Notfälle gibt es in Deutschland große Mengen eingelagerter Jodtabletten hoher Dosierung, die gegebenenfalls an die Bevölkerung ausgegeben werden. (Quelle: PTA-Forum)
Ob radioaktives Jod-131 überhaupt bei uns ankommen wird, ist fraglich, aber wer kann so etwas heute schon ausschließen. Fazit: „Es gibt keine allumfassende ‚Strahlenschutztablette‘. Um sich wirklich wirksam vor atomaren Gefahren zu schützen, müssen weltweit alle Atomreaktoren abgeschaltet werden.“ (Reinhold Thiel, IPPNW)


Brauchen wir die Atomenergie, um den Energiebedarf zu decken?

Derzeit gibt es enorme Überkapazitäten in der Stromversorgung. Ambitionierter Ausbau der regenerativen Stromerzeugung und das entschiedene Fördern der Stromeffizienz könnten bis spätestens 2020 sämtliche Atomkraftwerke in Deutschland ersetzen. Allein schon mit Energieeffizienzmaßnahmen ließen sich sechs Atommeiler überflüssig machen. (Quelle: Bund für Umwelt und Naturschutz)


Hilft Atomenergie als „saubere Energie“ gegen den Klimawandel?

Der Begriff „saubere Energie“ ist ein Propagandatrick, der über die Folgen der Atomkraft irritieren soll. Dem Klimawandel durch Ausbau der Atomkraft begegnen zu wollen, hieße, ein Risiko durch ein anderes inakzeptables Risiko zu ersetzen. Aber auch die Fakten lassen die Idee, mit Atomkraft den Klimawandel zu begegnen, wie ein Kartenhaus zusammenfallen. Im September 2005 waren nach Angaben der Internationalen Atomenergie-Agentur IAEA weltweit 442 Atomkraftwerke mit einer Leistung von 368,6 Giga-Watt installiert. Sie deckten lediglich 2,3 Prozent des weltweiten Energieerzeugung und 16 Prozent des globalen Strombedarfs ab. Schon um nur zehn Prozent der weltweit verbrauchten fossilen Energie durch Atomstrom zu ersetzen, müssten mehr als 1.000 neue Atomkraftwerke gebaut werden. Dies ist schon technisch unmöglich und die globalen Uran-Vorkommen würden dafür gar nicht reichen. (Quelle: Robin Wood u.a., Atomenergie dient nicht dem Klimaschutz)

Wie ist der Umstieg auf 100% erneuerbare Energien in Deutschland möglich?

Es sind verschiedene Szenarien denkbar. Mit dem Energiewenderechner kann jede(r) selbst nach eigenen Schwerpunkten (z.B. mehr Windenergie oder mehr Wasserkraft) ausrechnen lassen, wie der gesamte deutsche Strombedarf auf erneuerbare Quellen umgestellt werden kann.

Was bringt ein deutscher Alleingang, wenn in Nachbarländern AKWs stehen?

Umgekehrt wird ein Schuh draus: Wenn der größte EU-Staat endlich aus der Atomenergie aussteigt, hilft das auch der Anti-Atom-Bewegung in allen anderen Ländern. Natürlich ist es wichtig, dass insbesondere Frankreich seine Atompolitik ändert.

Steigen die Strompreise, wenn die AKWs abgeschaltet werden?

Die tatsächlichen Kosten für Atomenergie sind immens, allerdings ist ein großer Teil davon in  Subventionen versteckt. Allein in Deutschland wurden 20 Mrd. Euro öffentliche Mittel in den Bau von Forschungsreaktoren, 9 Mrd. Euro in gescheiterte Projekte wie den Schnellen Brüter, Hochtemperaturreaktoren und Wiederaufbereitungsanlagen sowie 14,5 Mrd. Euro in den Rückbau von Atomanlagen und die Erkundung von Endlagerstätten gesteckt. In der EU wird gerade diskutiert, die Nuklearforschungsgelder für den Zeitraum 2007 bis 2011 um über 200 % auf 4,75 Milliarden Euro aufzustocken. Wir bezahlen das aus Steuern. Die Betreiber dürfen aber Gewinne zurückstellen für die Endlagerung des Atommülls und den Abbau der Anlagen, wodurch ihnen 20 Mrd. Euro an Steuern erlassen wurden. Diese Rückstellungen dürfen sie, bis sie benötigt werden, frei investieren. Der Verzicht auf Atomenergie setzt also jede Menge Geld frei für andere gesellschaftliche Aufgaben wie die Förderung erneuerbarer Energien. (Quelle: .ausgestrahlt / Hermann Scheer)


Strom sparen, ist das nicht bloß ein Tropfen auf den heißen Stein?

Ganz im Gegenteil. Allein der Stand-by-Betrieb sämtlicher Elektrogeräte der deutschen Haushalte benötigt den Strom von zwei Atomkraftwerken. Laut Zentralverband Elektrotechnik und Elektronikindustrie (ZVEI) ließen sich jährlich 6,5 % Strom sparen, wenn jeder dritte – statt derzeit jeder zwanzigste – Elektromotor mit einer elektronischen Drehzahlregelung ausgerüstet wäre. (Quelle: .ausgestrahlt)


Sind AKWs nur gefährlich, wenn sie in Erbeben-Gebieten oder an der Küste stehen?

Leider nein. Zum einen sind AKWs auch schon gefährlich, ohne dass es zum GAU kommt. Die Ende 2007 vorgestellte KiKK-Studie des Deutschen Kinderkrebsregisters hat bewiesen: Je näher ein Kind an einem Atomkraftwerk wohnt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, an Krebs oder Leukämie zu erkranken. Das erhöhte Erkrankungsrisiko wird auch in einer Entfernung von 50 km noch nachgewiesen. Im Nahbereich bis 5 km verdoppelt sich für Kleinkinder sogar das Leukämierisiko. (Quelle: IPPNW) DIE LINKE fordert deshalb z.B. auch eine Kinderkrebsstudie für die Umgebung der ehemaligen Kernforschungsanlage Jülich in NRW.

Gerade erst am 1.3.2011 hatte die IPPNW wieder auf das Risiko eines neuen Super-GAUs hingewiesen: „Das Risiko einer erneuten Atomkatastrophe ist immens. In den vergangenen Jahren hätte es auch nach Tschernobyl schon mehrfach zu einem schweren Kernschmelzunfall kommen können.“ Die genannten besonders kritischen Fälle in Taiwan 2001, USA 2002 und Schweden 2006 hatten mit Erdbeben und Tsunamis nichts zu tun.

Wie sind AKWs versichert, falls es hierzulande zur Katastrophe käme?

Die Betreiber müssen ihre Anlagen gegen Unfälle mit einer Deckungsvorsorge von lediglich 2,5 Mrd. Euro versichern. Eine Prognos-Studie beziffert die finanziellen Schäden eines GAUs in Deutschland jedoch mit 2,5 bis 6 Billionen Euro. Somit sind weniger als 0,1 % der zu erwarteten Schäden durch die Betreiber versichert. Eine Versicherung in Höhe der zu erwartenden Schadenssumme würde Atomkraft unbezahlbar machen. (Quelle: .ausgestrahlt, siehe auch Atomhaftpflicht.de)

Welche Folgen hatte der Unfall von Tschernobyl genau?

Von der Katastrophe in Tschernobyl waren und sind nach Angaben der IPPNW etwa neun Millionen Menschen betroffen. Zirka 162.000 km² wurden kontaminiert, und schätzungsweise 400.000 Menschen mussten umgesiedelt werden. Nach der offiziellen Version wurde eine Strahlenmenge von 50 Millionen Curie freigesetzt. Andere ExpertInnen gehen aber von fünf Milliarden Curie aus. Trotz diverser Unsicherheitsfaktoren haben unabhängige ExpertInnen die Gesamtzahl der Toten auf 900.000 bis 1,8 Millionen Menschen weltweit beziffert. Diese Zahl bezieht auch zukünftige Tote mit ein, weil die Tschernobyl-Nuklide weiter in der Biosphäre bleiben. Eine Arbeitsgruppe der WHO rechnet in den nächsten 30–50 Jahren mit 50.000 Fällen von Schilddrüsenkrebs bei Menschen, die zum Zeitpunkt des Unglücks 0-4 Jahre alt waren. In Europa kam es zu einer Zunahme der Perinatalsterblichkeit, Totgeburten (5.000 zusätzliche Todesfälle bei Säuglingen), Fehlbildungen (alleine 10.000 in Europa) und der Krebserkrankungen sowie weniger Geburten und geschlechtsspezifische Effekte. Der Strahlenphysiker Dr. Mikhail Malkow aus Minsk rechnet allein für Europa mit 90.000 Krebsfällen durch Tschernobyl. (Quelle: IPPNW, Das gesundheitliche Erbe von Tschernobyl)


Merkel sagt, unsere AKW sind sicher. Lügt sie etwa?

Alle deutschen Reaktortypen weisen zahlreiche gravierende Sicherheitsdefizite auf. Auch die zuletzt in Deutschland errichteten Konvoianlagen haben gefährliche Sicherheitslücken bei der Störfallbeherrschung, bei den Notfallmaßnahmen wie auch hinsichtlich der Kernschmelzfestigkeit. Ein Blick in die "Nachrüstliste" der deutschen Atombehörden vom September 2010 zeigt für Teilbereiche, wo es in deutschen Atomkraftwerken überall klemmt. Die deutschen Atomkraftwerke entsprechen nicht dem atom- und verfassungsrechtlich vorgeschriebenen Stand von Wissenschaft und Technik. Das ist der Bundesregierung bekannt und es muss ihr insofern auch klar sein, dass der Betrieb der Atomkraftwerke in Deutschland rechtswidrig ist. (Quelle: IPPNW)

Wie viel Strahlung ist gefährlich?

Laut ÄrztInnen gegen den Atomkrieg (IPPNW) ist inzwischen wissenschaftlich klar, dass es keinen Grenzwert gibt, bis zu dem radioaktive Strahlung ungefährlich wäre. Auch niedrige Strahlung kann Schäden auslösen. Ausführlichere Informationen gibt es auf den Seiten der IPPNW.


Hat Angela Merkel die Laufzeitverlängerung ausgesetzt („Moratorium“)?

Nein. Organisationen wie LobbyControl bezweifeln, dass Merkels Ankündigung umgesetzt wird. Wichtig wäre eine gesetzliche Regelung zur Abschaltung von Atomkraftwerken, die auch sicherstellt, dass für die Abschaltung der besonders alten Anlagen nicht die Laufzeit anderer AKWs verlängert wird.


Arbeiten die Aufsichtsbehörden in Deutschland transparenter als in anderen Ländern?

Nein. Auch Störungen an deutschen Atomeinrichtungen werden vertuscht, zuletzt aufgeflogen im Fall des AKW Philippsburg. Greenpeace hat daraufhin am 10.3.2011 bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart Strafanzeige wegen Verdachts auf Urkundenunterdrückung, Urkundenfälschung und Rechtsbeugung gegen die baden-württembergische Umweltministerin Tanja Gönner (CDU) und verantwortliche Mitarbeiter ihres Ministeriums eingereicht. Die Umweltorganisation wirft Gönner vor, trotz richterlicher Aufforderung, Verwaltungsakten über die Sicherheit von Atomkraftwerken zurückzuhalten.

Wem gehören die Atomanlagen in NRW?

Die Gruppe für den sofortigen Atomausstieg (SOFA) Münster hat die Besitzverhältnisse der wichtigsten Atomanlagen in NRW in einem Diagramm dargestellt. Weitere Informationen zu den Atomkonzernen liefert auch die IPPNW.


Wenn ich auf Ökostrom umsteige, nutzt das etwas?

Der Stromverbrauch der privaten Haushalte ist natürlich nur ein Teil des Strombedarfs. Deshalb kann der Atomausstieg nicht nur durch individualistische Ansätze organisiert werden. Aber es ist richtig, die Atomkonzerne nicht noch mit dem eigenen Stromvertrag zu unterstützen. Umweltverbände (z.B. BUND) empfehlen die Anbieter EWS, Naturstrom, Greenpeace Energy und Lichtblick. Wer aus Gründen der Regionalisierung den kommunalen Energieversorger behalten möchte, sollte zumindest ein Stromangebot mit dem „Grüner-Strom-Label“ (GSL) verlangen.

Weitere Argumentationshilfen:

Auf den folgenden Internetseiten findest du weitere Informationen und Argumente gegen Atomenergie:

100 gute Gründe gegen Atomkraft

Wie du die Scheinargumente der Atomlobby widerlegst

5-Minuten-Info Atomenergie

Fragen und Antworten zur Energiepolitik (IPPNW)