15. September 2011 LINKSLETTER, Irina Neszeri

Teufelskreis in Zahlen: Mindestens 90.000 Kita-Plätze fehlen in NRW

In der aktuellen Debatte um das Beitragsfreie letzte Kita-Jahr geraten zwei zentrale Elemente der mangelhaften Kita-Politik in NRW leicht aus dem Blick:

1. SPD und Grüne schreiben die Mangelfinanzierung durch Kindpauschalen fort

2. Den ab 2013 geltenden Rechtsanspruch für unter 3-Jährige wird NRW nicht im Ansatz erfüllen

Es fehlt einfach an allen Ecken und Enden. Das Motiv, irgendwie Kinder zu betreuen, deren Mütter unbedingt arbeiten müssen, scheint noch immer handlungsanleitend zu sein in einem Land, das im Jahr 2010 für weniger als 10 % der Kinder unter drei Jahren einen Kita-Platz angeboten hat.

Diese in NRW auch im Bundesvergleich besonders schlechte Versorgung ist ein zentrales Element der systematischen sozialen Benachteiligung von Kindern im Bildungssystem. Das gegliederte Schulsystem in die Verfassung zu schreiben und mit 7 Schulformen nur noch Chaos zu stiften ist die andere Seite der gleichen Medaille. Die Chance auf gemeinsames Spielen und Lernen in der Kita wäre besonders für diejenigen Kinder wichtig, die schon von ihrer Geburt an benachteiligt sind. Im größten und angeblich so sozialdemokratischen Bundesland haben diese Kinder so gut wie keine Chance, der Armutsspirale jemals zu entkommen.

Auch die Zahl der Frauen, die eine eigene Lebensperspektive durch Erwerbsarbeit haben, ist in NRW ganz besonders niedrig. Mütter mit mehr als einem Kind sind diejenigen, deren Chance auf materielle Unabhängigkeit in den wenigsten Fällen vorhanden ist.

Da passt es ins Bild, dass in NRW ein großer Teil der Angebote für U-3-Kinder über Tagespflege abgedeckt werden. Die Tagesmutter, die jetzt vermeintlich geschlechtergerecht im grün angpinselten Gesetz "Tagespflegeperson" genannt wird, kann eine gute Zwischenstation für die Kleinsten sein. Sie kann aber nur Ergänzung zu einem bedarfsdeckenden Kita-Angebot sein. In NRW ist sie - je nach Region - für bis zu 40% der "betreuten" Kinder der schlechte Ersatz für einen echten Kita-Platz.

Während in der gesamten Gesellschaft für frühkindliche und vorschulische Bildung gefordert werden, herrscht in NRW weitgehender Stillstand.

Dabei ist auffällig, wie weit die Wirklichkeit von Stadt zu Stadt auseinander klafft. Bei den kreisfreien Städten reicht die Quote der überhaupt betreuten Kinder im Jahr 2010 von 8,5 % in Duisburg bis zu 24,4 % in Münster.

Zur Statistik aus 2010 geht es hier...