Wege aus der Niedriglohnspirale
Gute besuchte Konferenz im IG-Metall-Haus Gelsenkirchen
Über Wege aus der Niedriglohnspirale diskutierten am vergangenen Samstag (16. Juli) auf Einladung der LINKEN im Bundestag im IG-Metall-Haus Gelsenkirchen rund 100 Gewerkschafts-Aktive, Betroffene und Betriebsräte. Prominentester Teilnehmer: LINKEN-Chef Klaus Ernst.
Ernst machte deutlich, dass die herrschende Politik der Lohnsenkungen und Leiharbeit zur Steigerung deutscher Exportüberschüsse großen Anteil an der Euro-Krise hat. Das aktuelle Wirtschaftssystem sei wie ein Monopolyspiel. „Wir sind dabei die Schlossallee“, so Ernst. Dort würden alle anderen Mitspieler hohe Mieten zahlen, Deutschland selber bei anderen aber nicht. „Was passiert dann mit den anderen Mitspielern? Denen geht die Kohle aus“, stellte der LINKEN-Vorsitzende fest. Allerdings seien die Folgen für die europäische Währung nicht die Einzigen der Niedriglohnpolitik. Ernst betonte, dass inzwischen 40 Prozent der Beschäftigten unter 25 Jahren nur befristete Verträge haben. Ohne einen Mindestlohn werde unter diesen Bedingungen „Arbeit billig wie Dreck“, so Ernst. Er erneuerte die Forderung nach einem Mindestlohn von 10 Euro.
Ulla Lötzer, stv. Fraktionsvorsitzende der LINKEN im Bundestag, betonte: „Arbeit darf nicht arm machen“. Entwürdigung und fehlende Anerkennung am Arbeitsplatz seien ein Anschlag auf die Menschenwürde und die soziale Demokratie.
Leiharbeiter Stefan Gundlach berichtete bei der Konferenz über einen großen Erfolg im Kampf gegen Lohndumping: Am Vortag hatte das Dortmunder Arbeitsgericht Gundlachs ehemaligen Arbeitgeber zur Nachzahlung von 13.000 Euro Lohn verurteilt. Die Leiharbeitsfirma hatte nach einem inzwischen für ungültig erklärten Billig-Tarifvertrag bezahlt. Andere Betroffene schilderten katastrophale Lohn- und Arbeitsbedingungen in Leiharbeitsfirmen, im Dienstleistungsbereich und im Einzelhandel.
Weitere Referenten der Konferenz „Tatort Niedriglohn“ waren unter anderem Robert Sadowsky, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Gelsenkirchen, ver.di-Landesbezirksleiterin Gabriele Schmidt, Betriebsrätin Susanne Neumann, die hiesige Bundestagabgeordnete Ingrid Remmers und ihr Fraktionskollege Matthias W. Birkwald.
Speziell auf Niedriglohnfälle in NRW gingen die Fraktionschefs der LINKEN im Landtag NRW, Wolfgang Zimmermann und Bärbel Beuermann, ein. Die Landtags-LINKE war Kooperationspartner der Veranstaltung.
Flickr-Fotoalbum: Konferenz Tatort Niedriglohn (16.7.11, Gelsenkirchen)