22. Juni 2011 LINKSLETTER, Hilmar Schulz, Michael Otter, Nils Böhlke

Fakten zum "Schulkompromiss"

An diesem Freitag soll es nun zwischen SPD, Grünen und DIE LINKE sowie den sonst so ablehnenden FDPlern zu einem Konsens in der Schulpolitik kommen. Die Fraktionsvorsitzenden und Landessprecher/innen werden an diesem Gespräch teilnehmen.

Gunhild Böth, unsere bildungspolitische Sprecherin, hat seit Beginn der Ermöglichung von Gemeinschaftsschulen immer wieder deutlich gemacht, dass ihr bisher, bei allem was die Schulministerin Löhrmann (Grüne) zur Gemeinschaftsschule vorgestellt hat, nicht klar geworden ist, was denn der Unterschied zwischen Gemeinschaftsschulen und Gesamtschulen sei einzig natürlich der Vorzüge der kleineren Zügigkeit bei der Schulgründung und der besseren Ausstattung mit Lehrerkräften. Diese Fragen sind auch bisher nicht oder nur bedingt beantwortet worden. So bezeichnet der Staatsekretär im Schulministerium Hecke die Gemeinschaftsschule bereits als kleine Gesamtschule.

Mit dem Entwurf der Gemeinschaftsschule haben SPD und die Grünen ein integratives Schulmodell geschaffen, der möglichst viele experimentelle Varianten zulässt. Dazu gehört leider auch, dass konservative Schulgründer weiterhin eine kooperative – sprich mehrgliedrige – Form der Gemeinschaftsschule gründen können.

Im positiven Sinne experimentell ist die Möglichkeit, dass die Gemeinschaftsschule mit einem Berufskolleg kooperiert. Die Schulträger sind dazu verpflichtet, bei einer  Gemeinschaftsschule ohne eigene Oberstufe, eine Kooperation mit einer Schule mit Oberstufe anzubieten. Dies können Gymnasien, Gesamtschulen oder eben Berufskollegs sein.

Der Vorteil ist, dass ein Berufskolleg neben dem klassischen Oberstufenangebot noch einen Kanon von beruflichen Fächern anbieten kann. Je nach Ausrichtung des Berufskollegs können dies soziale und technische, auch natur-, gesellschaftswissenschaftliche, sprachliche sowie musische Fächer sein.

Doch die Möglichkeit der Kooperation ist nicht auf die Oberstufe beschränkt. Schon bei dem zum Schuljahr 2011/12 gestartete Schulversuch wollen einige Gemeinschaftsschulen mit Grundschulen kooperieren. Mittlerweile hat der Rat der Gemeinde Aldenhoven den Beschluss gefasst, durch den Zusammenschluss einer Haupt- und einer Realschule sowie zweier Grundschulen eine Gemeinschaftsschule gründen zu wollen, vgl. auch Hinweise zur Gemeinschaftsschule, LAG Bildung, Otter, Dahl.

Dadurch öffnet die Gemeinschaftsschule den Weg „Eine Schule für Alle“ von der 1. Klasse bis zur Klasse 10, die zentrale Forderung der LINKEN in der Schulpolitik, zu realisieren. „Eine Schule für Alle“ ist eine Forderung aus dem Wahlprogramm für die Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen 2010 und der Bundespartei.   

Ungeachtet dieser Optionen wird DIE LINKE kritisch beobachten, ob durch diese Hintertür nicht die Zementierung eines zweigliedrigen Schulsystems, aus Gymnasium und Gemeinschaftsschule/Gesamtschule entstehen soll. Hier gilt es der Landesregierung auf die Finger zu schauen und immer wieder deutlich zu machen, dass soziale Selektion und Ausgrenzung von gesellschaftlichen Prozessen eben auch mit der Mehrgliedrigkeit im Schulsektor zu tun hat. Wirkliche Bildungsgerechtigkeit kann nur entstehen, wenn es ein Höchstmaß an Chancengerechtigkeit, also „Eine Schule für alle“ gibt.

Hier "Hinweise zur Gemeinschaftsschule" der LAG Bildung.