Kein Platz für Sexismus und Ausgrenzung

Resolution des Landesparteitags am 18.10.2008 in Essen


Seit Jahren ist für Frauen spürbar, dass sie gesamtgesellschaftlich zurückgedrängt werden in Rollen und Situationen, die längst überwunden geglaubt waren.

Diese Tendenz macht auch vor unserer Partei keinen Halt. Immer mehr Frauen ziehen sich zurück, werden von „Männerrunden“ übergangen, nicht zu Sitzungen eingeladen, ignoriert und zur Seite gedrängt.

Die Gleichstellung von Frauen ist längst nicht selbstverständlich, sondern wird in vielen Fällen von Männern als Konkurrenz betrachtet.

DIE LINKE. stellt sich in die Tradition der Frauenbewegung. Sie versteht sich als feministisch. Sexismus in jeder Form hat in unserer Partei keinen Platz! Wir verwehren uns konsequent gegen die Ausgrenzung von Frauen, gegen frauenfeindliche Witze und abfällige Sprüche, gegen körperliche Übergriffe – dem „Klaps auf den Po“ oder der Hand auf dem Knie.

Sexismus beginnt mit dummen, erniedrigenden Sprüchen, dem Weghören, wenn Frauen reden, dem Kleinmachen, dem ins Lächerliche ziehen und geht bis zu blanker Gewalt.

Wir sind uns einig, dass Vergewaltiger und schlagende Männer in unseren Reihen nichts zu suchen haben! Wir fordern alle Frauen auf, sich bei Übergriffen, die sie verletzen oder ihre Persönlichkeitsrechte angreifen an Vorstände, Frauenstrukturen oder Genossinnen und Genossen ihres Vertrauens zu wenden, auch wenn die Ereignisse schon länger zurückliegen. Gewalt und Sexismus sind keine Privatangelegenheit – sind müssen Thema in der Partei sein!

Wir fordern alle Parteimitglieder auf, den Mund auf zu machen und den Frauen die solidarische Unterstützung von Frauen und Männern zu zusichern. Bei allen Bedenken gegen bürgerliche Gerichte unterstützen wir aktiv, in allen Fällen von Gewalt gegen Frauen, Strafanzeige zu stellen und stehen den Frauen bei der Bewältigung der Erlebnisse und den konkreten Schritten zur Abwehr zur Seite. Aus Angst vor mangelnder Solidarität und aus Scham schweigen viel zu viele Frauen. Sie ziehen sich zurück – die Täter machen unbehelligt weiter. Nicht bei uns!

Wir fordern den Landesvorstand auf, das Thema „Sexismus“ in der Gesellschaft und in den eigenen Reihen im kommenden Jahr als einen Schwerpunkt zu behandeln.

Dazu gehört, dass die Parteistrukturen verändert werden müssen. Wir brauchen mehr Offenheit, Transparenz und Beteiligung statt ausgrenzender Hinterzimmerpolitik. Die Grundlage der Zusammenarbeit zwischen Männern und Frauen müssen neu geordnet werden, wenn Sexismus entgegen getreten werden soll.

Wir fordern, dass im Landesverband eine unabhängige, qualifizierte Kommission von Männern und Frauen eingerichtet wird, die in konkreten Fällen ansprechbar und zuständig sind und die Aufgabe haben, zu intervenieren. Ein verbindlicher Ablaufplan muss bis zum kommenden Parteitag oder zum übernächsten Landesrat vorgelegt werden, der inhaltlich und in einem engen zeitlichen Rahmen festlegt, wie bei Sexistischen Übergriffen und Ausgrenzungen in Sinne der Betroffenen gehandelt werden muss!


Zuerst beschlossen vom Frauenplenum zum Landesparteitag am 17.10.2008