Kapitel VII: Bildung ist keine Ware
1. Mehr Geld für Bildung – Für ein sozial gerechtes Bildungssystem
2. Gemeinsam spielend lernen: Kinder brauchen gute Kitas
3. »Eine Schule für alle« – länger gemeinsam lernen
4. Die Schule als Haus des demokratischen Lernens und Lebens
5. Lehrerinnen und Lehrer besser ausbilden
7. Hochschulbildung unabhängig von sozialer Herkunft ermöglichen
8. Gute öffentliche Bildung für alle – Unabhängig von Religion und Weltanschauung
Kapitel VII: Bildung ist keine Ware!
Die Lehrerinnen- und Lehrerausbildung in NRW ist auf Bachelor- und Masterstudiengänge umgestellt worden. Studierende im ganzen Land klagen über die Unstudierbarkeit und die Überlastung durch völlig verschulte Lehramtsstudiengänge. Mit dem neuen Lehrerausbildungsgesetz sind Chancen vertan worden, die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern in NRW zu modernisieren. Wir kritisieren insbesondere, dass die angehenden Lehrerinnen und Lehrer weiterhin für die einzelnen Schulformen ausgebildet werden. Hier ist die Chance vertan worden, ein längeres gemeinsames Lernen der Kinder in den Blick zu nehmen.
Die Vorbereitungszeit auf das Lehramt leidet wiederum schon seit einigen Jahren unter dem »Bedarfsdeckenden Unterricht« (BDU), den die rot-grüne Landesregierung noch einführte. Der BDU dient dazu, die Lücken im Unterrichtsbedarf an den Schulen zu schließen, der durch die Nicht-Einstellung von Lehrkräften entstand. Lehramtsanwärterinnen und -anwärter müssen aufgrund dieser Regelung eigenständig UnterrichtDer »Bedarfsdeckende Unterricht« blieb in vollem Stundenvolumen bei gleichzeitiger Verkürzung der Ausbildungszeit auf 12 Monate erhalten. Somit macht der BDU den Löwenanteil des Ausbildungsunterrichts aus. Die schwarz-gelbe Landesregierung will in kürzerer Zeit mehr Lehrkräfte »produzieren«. Die zukünftigen Lehrkräfte sollen gleichzeitig schon während ihrer Ausbildung die Lücken an den Schulen stopfen.
Als Ergebnis rot-grüner und schwarz-gelber Bildungspolitik fehlen zurzeit an den Schulen Lehrerinnen und Lehrer. Um diesen Mangel und den Unterrichtsausfall nach außen hin zu kaschieren, wurden und werden die Lücken mit Vertretungskräften »gestopft«. So ist es üblich geworden, vertretungsweise Personen ohne 2. Staatsexamen (Referendariat), das heißt ohne Berufserfahrung, in den Schuldienst einzustellen. Die Gefahr von Unfällen steigt aufgrund fehlender Fachkompetenz in Fächern wie Chemie und Sport und es kommt zu zum Teil lebensgefährlichen Situationen für Schülerinnen und Schüler, Kolleginnen und Kollegen und die Vertretungskräfte selbst.
Aus Mangel an Vertretungslehrkräften werden darüber hinaus zunehmend sogenannte Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger an die Schulen geholt: Das sind Menschen ohne ein Lehramtstudium, aber z. B. mit Diplom. Das Referendariat absolvierten sie in der Vergangenheit entweder vor Eintritt in den Schuldienst oder zumindest berufsbegleitend, während sie bereits unterrichteten. Nun aber sind die Eingangsvoraussetzungen mit Billigung des Schulministeriums und unter Umgehung der Personalräte so weit heruntergeschraubt worden, dass diese Bewerberinnen und Bewerber zwei Jahre lang ohne Anleitung (!) eigenständig und versetzungsrelevant unterrichten und erst dann (!) in das Ausbildungsseminar in die zweite Ausbildungsphase gehen sollen. Nebenher soll es noch eine einjährige pädagogische Einführung geben.
Mit dieser zunehmenden Entprofessionalisierung der Ausbildung von Lehrkräften in NRW muss Schluss sein. Dieser Logik müssen wir Einhalt gebieten: Die Vorbereitung auf den Lehrberuf muss umfassend, theoriegestützt, fachlich begleitet und mit genügend Raum für Reflexion erfolgen.
DIE LINKE. NRW tritt ein für:
- Die Verbesserung der Studierbarkeit in Lehramtsstudiengängen und eine echte Anpassung an die inhaltlichen, didaktischen und pädagogischen Anforderungen.
- Die Verbesserung der Betreuungsschlüssel von Professorinnen und Professoren und Studierenden.
- Eine praxisnahe Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer mit Reflexion im Vorbereitungsdienst.
- Eine Garantie auf einen Masterstudienplatz.
- Die zweite Phase (Praxisausbildung) der Lehrkräfteausbildung muss wieder in zwei Jahren erfolgen.
- Die Lehramtsanwärterinnen und -anwärter müssen bei allen Unterrichtsvorhaben betreut und pädagogisch begleitet werden.
- Eine Bezahlung der Lehramtsanwärterinnen und -anwärter entsprechend der Forderung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Höhe von mindestens 1600 Euro monatlich (brutto).
- Die sofortige Abschaffung des »Bedarfsdeckenden Unterrichts«.
- Die Abschaffung der neuen Regelung für Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger.
- Die Einstellung gut ausgebildeter Vertretungslehrkräfte und SeiteneinsteigerInnen erst nach dem 2. Staatsexamen.
- Die Einführung einer Vertretungsreserve an den Schulen.