Landestheater in Not: „Schwarz-Grün gefährdet Demokratieförderung und kulturelle Teilhabe"

Öffentliche Kultur benötigt eine verlässliche Finanzierung. Hält die schwarz-grüne NRW-Landesregierung an ihrem Sparkurs fest, geht das auf Kosten einer funktionierenden demokratischen Gesellschaft.

Die vier Landestheater in Nordrhein-Westfalen stehen vor dem finanziellen Kollaps. In einer Anhörung im Kulturausschuss des Landtags am 4. Dezember 2025 haben sie eindringlich gewarnt: Brechen die Häuser weg, schrumpft das ohnehin geringe öffentliche Kulturangebot – vor allem im ländlichen Raum, der 50 Prozent der Landesfläche ausmacht.

Zu den Aufgaben der Landestheater zählt nicht nur das künstlerische Schaffen, sondern auch das Angebot zahlreicher Bildungs- und Begegnungsformate: Theaterworkshops in Schulen, Begegnungsprojekte, aufsuchende Theaterarbeit in Gemeinden ohne eigene Bühnen.

„Diese Arbeit ist unverzichtbar für die Demokratieförderung – gerade jetzt, wo wir antifaschistische Kulturarbeit dringender brauchen denn je", erklärt Manuela Cengiz Bechert, kulturpolitische Sprecherin der Linken.NRW. „Wenn wir die Landestheater jetzt im Stich lassen, verlieren wir nicht nur Kultur – wir verlieren auch wichtige Bildungsorte und Räume für demokratische Begegnung."

Das Land ist verpflichtet, allen Menschen in NRW Zugang zu Theaterangeboten zu ermöglichen – auch abseits der großen Städte. Statt die Landestheater auskömmlich auszustatten, bleiben die Landeszuschüsse jedoch eingefroren. Als die Tariflöhne 2024 um rund 10,5 Prozent anstiegen, erhöhte das Land seine Zuschüsse nicht – obwohl Personalkosten bis zu 85 Prozent der Theaterbudgets ausmachen. Eine bis Ende 2024 gültige Zielvereinbarung zur anteiligen Übernahme der Tarifsteigerungen ist ausgelaufen; bislang legt die Landesregierung keine Verlängerung vor.

„Die Tariferhöhungen für Kunstschaffende waren überfällig – jahrelang haben sie am Existenzminimum gearbeitet. Dass sie jetzt mehr verdienen, ist richtig und gerecht", so Cengiz Bechert. „Aber die Landesregierung kann nicht einfach die Augen verschließen und so tun, als ginge sie das nichts an. Wenn Tariflöhne steigen, die Landeszuschüsse aber stagnieren, bricht das System zusammen."

Die Opposition hat im Landtag eine Dynamisierung der Zuschüsse gefordert. Die Linke unterstützt dieses Ansinnen: „Die Landestheater brauchen Planungssicherheit, um ihren demokratiefördernden Auftrag zu erfüllen", mahnt Cengiz Bechert. „Das Land hat die Häuser beauftragt, Kultur in die Fläche zu tragen. Dann muss es sie auch vernünftig bezahlen. Alles andere ist ein Verrat an der Kultur – und am ländlichen Raum."