Olympia-Zustimmung in NRW hinter München
Die Linke im RVR wird weiter ein kritisches Auge auf die Bewerbung haben
Die Ratsbürgerentscheide zu einer Olympia-Bewerbung aus NRW haben ohne Zweifel viele Menschen mobilisiert. Mit Ausnahme von Herten wurden die erforderlichen Mehrheiten für ein „Ja“ erreicht. Die Zustimmung fiel jedoch geringer aus als in München. Dort sprachen sich im Herbst letzten Jahres 66;4 % der Teilnehmer*innen für Olympia aus, bei einer Spitzenbeteiligung von 42 % der Stimmberechtigten.
„Wir sind deshalb weniger beeindruckt, als Ministerpräsident Hendrik Wüst,“ so Wolfgang Freye, Ko-Vorsitzender der Fraktion Die Linke im RVR. „Gerade in den Ruhrgebietsstädten war die Beteiligung mit 17,6 % in Herten, 26,1 % in Gelsenkirchen bis 33,6 % in Essen geringer, als in der Rheinschiene. Das entspricht auch unserer Erfahrung an Infoständen, wo uns viele Menschen sagten, sie hätten andere Probleme. Viele haben deshalb gar nicht abgestimmt, was in Herten dazu führte, dass das Quorum nicht erreicht wurde. Es war wichtig, dass wir als Linke für ein ,Nein‘ geworben haben und der Ablehnung von Olympia eine Stimme gegeben haben – und das mit äußerst geringen Mitteln gegenüber einer Millionen-Euro schweren, hochemotionalen Werbekampagne der Landesregierung.“
Die Linke war die einzige Partei, die sich unter den gegenwärtigen Bedingungen landesweit gegen eine Olympia-Bewerbung ausgesprochen hat. Die Fraktion Die Linke im RVR ist gespannt, ob die Landesregierung nun eine nachvollziehbare, transparente Kostenrechnung vorlegt. Denn die von Hendrik Wüst genannten 4,8 Mrd. Euro werden bei weitem nicht ausreichen. Die Universität Oxford hat in einer Untersuchung festgestellt, dass die Kostenbudgets von Olympia bei allen untersuchten Spielen deutlich überschritten wurden. Und sie wird genau beobachten, was aus der vom Land angekündigten „Offensive für den Breitensport“ für die Region wird. Der Landessportbund hält Investitionen von 3,6 Mrd. Euro in die Infrastruktur für notwendig.
„Durch die Olympia-Bewerbung wird keine einzige Turnhalle und kein Schwimmbad saniert,“ so Monetta Marchiano, Ko-Vorsitzende der Fraktion Die Linke im RVR. „Und wir werden genau nachhaken, welche Sportstätten in der Region für Trainingszwecke genutzt werden sollen. Denn die dafür nötigen Sanierungen und Umbauten werden die einzigen sein, die dem Breitensport direkt zu Gute kommen. Bisher ist nur bekannt, dass die Olympia-Stützpunkte in NRW zum Training genutzt werden sollen. Davon gibt es jedoch im Ruhrgebiet nur zwei, in Essen und Dortmund. Dabei kann es ja wohl nicht bleiben.“

