Antwort auf Ihren offenen Brief zum Cologne Pride 2026
Sehr geehrter Herr Marx,
vielen Dank für Ihren offenen Brief.
Sie werfen Die Linke NRW vor, mit ihrer Forderung nach dem Ausschluss von CDU und LSU vom ColognePride Menschen aufgrund ihres Parteibuchs ausgrenzen zu wollen. Diese Darstellung weisen wir zurück.
Unsere Forderung richtete sich nie gegen einzelne schwule, lesbische, bisexuelle, trans oder andere queere Menschen in der CDU. Sie richtete sich gegen die offizielle Präsenz einer Partei und ihrer Vorfeldorganisation auf einer politischen Demonstration, während diese Partei gleichzeitig Verantwortung für eine Politik trägt, die den Interessen queerer Menschen entgegensteht.
Der Christopher Street Day ist keine beliebige Brauchtumsveranstaltung. Er ist eine politische Demonstration. Er entstand aus dem Widerstand gegen staatliche Repression und richtet sich bis heute gegen Diskriminierung und gesellschaftliche Ungleichheit. CSDs sind keine politisch neutrale Bühne, auf der jede Partei unabhängig von ihrem politischen Handeln Anspruch auf Repräsentation erheben kann. Deshalb muss sich jede Partei, die dort mit eigenem Wagen und eigenen Logos auftritt, an ihrer Politik messen lassen.
Genau das gilt für CDU und LSU
Die aktuelle Bundesregierung hat die Axt an den Sozialstaat gelegt und setzt eine Sparpolitik auf dem Rücken der Mehrheit der Menschen in diesem Land durch. Gerade queere Menschen sind überdurchschnittlich von Armut, prekären Beschäftigungsverhältnissen und Diskriminierung betroffen.
Auch in der Queerpolitik ist diese Bundesregierung ein Totalausfall. Wichtigen Projekten und Vereinen wird die Förderung gestrichen, der Aktionsplan Queer Leben wird still und heimlich gestrichen und wenn es nach der Union geht, wird das Selbstbestimmungsgesetz wieder abgeschafft und trans Personen tragen sich zukünftig zwangsweise in ein Register ein. Besonders migrantisierte Queers werden von dieser Bundesregierung und besonders von der Union im Stich gelassen.
Wer Politik gegen die Interessen queerer Menschen macht, wer selbst in zahlreichen Äußerungen ausgrenzt und Hass sät, der kann nicht erwarten auf einer Demonstration für queere Rechte auch noch Beifall dafür zu erhalten.
Besonders bemerkenswert ist dabei das Schweigen der LSU. Wer sich als Interessenvertretung queerer Menschen innerhalb der Union versteht, müsste die eigene Partei öffentlich unter Druck setzen, wenn Sie queere Projekte zusammenkürzt oder die Lage von queeren Menschen verschlechtert. Stattdessen verteidigt oder begleitet die LSU den Regierungskurs weitgehend geräuschlos.
Gerade deshalb bleibt unsere Kritik an der offiziellen Teilnahme der LSU bestehen. Eine Organisation, die ihre Partei nach außen repräsentiert, muss sich deren politisches Handeln zurechnen lassen.
Sie schreiben selbst, demokratische Parteien müssten Protest, Pfiffe und Widerspruch aushalten. Dem stimmen wir ausdrücklich zu. Genau deshalb verwundert uns Ihr Schreiben. Wer Regierungsverantwortung trägt und politische Entscheidungen trifft, die von vielen Menschen als Angriff auf ihre soziale Sicherheit und ihre Rechte empfunden werden, muss öffentliche Kritik
aushalten. Es wirkt befremdlich, wenn ausgerechnet Repräsent*innen einer Regierungspartei sich anschließend als Opfer politischer Kritik oder einer imaginierten Kampagne inszenieren.
Die von Ihnen aufgeworfenen Fragen lassen sich kurz und knapp gemeinsam beantworten: Die Linke NRW hat weder organisatorisch noch personell, noch durch irgendwelche Materialien den Protest gegen die CDU/LSU vorbereitet oder durchgeführt. Sollten einzelne Personen Parteimitglieder gewesen sein, so haben Sie nicht im Auftrag unserer Partei gehandelt. Gleichzeitig verurteilen wir nicht, dass Menschen ihr Recht auf friedlichen Protest genutzt haben.
Unabhängig davon gilt: Kritik an CDU und LSU war auf dem ColognePride weder überraschend noch neu oder künstlich erzeugt. Sie ist Ausdruck einer breiten Unzufriedenheit vieler queerer Menschen mit der Politik der Union und der Bundesregierung.
Genau darum ging es in unserer Kritik. Wer sich auf dem Christopher Street Day präsentiert, muss sich fragen lassen, welchen Beitrag die eigene Partei tatsächlich zur Verbesserung queeren Lebens leistet und welche Entscheidungen dieser entgegenstehen.
Wir werden unsere Kritik und unsere Forderung deshalb nicht zurücknehmen.
Mit freundlichen Grüßen
Dominik Goertz
Stellvertretender Landessprecher
Queerpolitischer Sprecher
