Das wird nichts, Herr Wüst! Kein Konzept - Kein Geld!
Im März und April könnt ihr mitentscheiden, ob sich Rhein-Ruhr mit 16 Städten um die Austragung der Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 bewirbt. Das ist eine weitreichende Entscheidung! Beteiligt euch an der Diskussion und dem Votum!
Es geht um einen zweistelligen Milliardenbetrag: Für Spitzensport? Für ein Event? Für Breitensport? Für eine bessere Infrastruktur? Mehr Schulden für verschuldete Kommunen? Wieder Milliarden-Gewinne für das IOC?
Wir von der Partei Die Linke sind in NRW die einzige demokratische Partei, die eine Beteiligung an den Olympischen Spielen kritisch sieht. Wir wollen es uns nicht einfach machen. Völkerverständigung und friedlicher Wettbewerb sind für uns elementare Bestandteile der Freiheit. Olympischer und paralympischer Sport sind nicht wegzudenken. Wir fragen uns jedoch, wie sich das mit Breiten- und Schulsport verbinden lässt. Was passiert, wenn sich die Sportlerinnen und Sportler bei den Olympischen Spielen in NRW im Stau bewegen und nicht in den Sportstätten?
NRW hält die DOSB-Kriterien nicht ein.
Beim Bürgerentscheid in München und in einer Umfrage in Hamburg und Berlin kamen sehr unterschiedliche Meinungen zum Tragen: In München stimmten über 60 % für eine Bewerbung der Stadt. In Hamburg lehnten es 60 % ab und in Berlin sogar 67 %.
Deshalb möchten wir uns hier in NRW sehr konkret mit einer Rhein-Ruhr-Bewerbung auseinandersetzen.
- Die Behauptung der NRW-Landesregierung, „90% der Athletinnen und Athleten können ihre Wettkampfstätten vom Olympischen und Paralympischen Dorf in rund einer Stunde erreichen“, ist schlichtweg falsch. Der Deutsche Olympische Sportbund, DOSB macht eine klare Vorgabe: Kleiner als 1 Stunde bzw. die Entfernung muss kleiner als 50 km sein. Wer in NRW lebt, weiß, das ist nicht zu schaffen: Von Köln nach Dortmund sind es eben 88 km mit dem Auto und 70 Minuten mit dem Zug. (Siehe Karte Seite 2)
- Da die Athlet*innen mit Pkw/Bussen transportiert werden und die Zuschauer überwiegend den ÖPNV nutzen, müsste die Straßen- und Schieneninfrastruktur gewaltig ausgebaut werden. Aber an dem Grundproblem der weiten Entfernung würde sich trotzdem nichts ändern, selbst wenn NRW die Fahne des Stau-Landes Nr. 1 abgeben könnte.
- Die Entfernungen vom Olympischen Dorf zu den Trainingsstätten sind in den Vorgaben des DOSB auf 30 Minuten festgesetzt. Das heißt, vielfach können die Wettbewerbsstätten für das Training nicht genutzt werden.
- Die Planungen für die Entwicklung des Kölner Stadtteils Köln-Kreuzfeld laufen seit vielen Jahren. Das hat mindestens zwei Millionen Euro gekostet. Die Planungen für ein olympisches Dorf und ein Olympiastadion müssen neu aufgesetzt werden. Hinzu kommt, dass die Anbindung an den ÖPNV linksrheinisch schlecht ist.
Ministerpräsident Wüst hat kein Finanzkonzept
Das Rechnungsprüfungsamt in Köln forderte im Rahmen der Kosten für die Durchführung des Bürgerbegehrens für die NRW-Bewerbung „zeitnah“ eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung für die Bewerbung zu den Olympischen und Paralympischen Spielen, damit „eine fundierte Entscheidung getroffen werden kann.“
So ein Finanzkonzept liegt nicht vor. Ministerpräsident Wüst spricht inzwischen von 4,8 Mrd. für die Durchführungskosten. Für welche Spiele meint er das? Für 2036, 2040 oder 2044? Das ist ein Zeitraum von acht Jahren. Da können doch die Kosten nicht gleich sein? Wie kann es kommen, dass die Spiele in NRW in diesem Zeitraum um 27 % günstiger sind als Olympia 2024 in Paris?
Wird das Bürgerbegehren in NRW, das einen zweistelligen Millionen-Betrag kostet, zu einer reinen Bauchentscheidung? Fatal, viele Bürgerbegehren wurden in NRW in der Vergangenheit abgeschmettert, weil die Finanzierung der Projekte nicht klar war.
Die Stadt München legte drei Wochen vor dem Bürgerentscheid ein Gutachten auf den Tisch: Investitionen von mehr als 20 Milliarden Euro sind nötig. Sechs Wochen hat das städtische Sportreferat und die TU München an dem Gutachten gearbeitet. Die Investitionen nur für Verkehr betragen 14 bis 17 Milliarden Euro. Ministerpräsident Wüst hat also noch Zeit bis Mitte Februar, so ein Gutachten in Auftrag zu geben. – Wir können uns nicht vorstellen, dass die Kosten für NRW geringer sind. Bewerben sich doch 16 Kommunen mit einem viel größeren Gebiet als in München.
Risiko und Vergleiche
In dem Münchener Gutachten werden Baukosten von +10 % problematisiert. Gerade bei Großprojekten schießen die Kosten durch die Decke. Kostensteigerungen von 30 % sind nicht selten. Das ist kein grundsätzliches Gegenargument für eine Bewerbung, aber Fakten, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen.
Der französische Rechnungshof geht inzwischen von 6,6 Mrd. Euro Kosten für die Olympischen Spiele 2024 in Paris aus. 2023 rechnete man noch mit 2,4 Mrd. Euro. Also mehr als eine Verdoppelung der Kosten. Ein Vergleich mit Tokio 2021 mit 9,7 Mrd. Euro ist schwierig. Die Spiele fanden in der Zeit der Pandemie statt.
Fazit
Wir halten eine NRW-Bewerbung für chancenlos und für unangemessen. Es liegt weder eine Finanzkonzept vor, noch ein Konzept für die Förderung des Breitensportes im Rahmen eines olympischen und paralympischen Wettbewerbs. Der Landessportbund NRW schätzt den Investitionsbedarf für die Sportinfrastruktur auf 3,6 Mrd. Euro. Darin ist nicht enthalten der Investitionsbedarf in Schulsport.
Jetzt sind wir gespannt auf eure Meinung und eure Abstimmung am 19. April in vielen Kommunen nur als Briefwahl!
