„Kompakte Spiele“ wie in Paris?

Nils Böhlke, Landesvorstand Die Linke NRW

Athletinnen und Athleten können im olympischen und paralympischen Dorf wohnen und ihre Sportstätten in einem Radius von nicht mehr als 60 Minuten Fahrtzeit erreichen. Damit ist das Konzept kompakter als Paris 2024“, behauptet die Landesregierung auf ihrer Internetseite. Das hat aber nichts mit der Realität zu tun.

So soll das olympische Dorf am Rande von Köln im Bezirk Chorweiler entstehen. Wer NRW auch nur ansatzweise kennt, weiß, dass Sportstätten in Dortmund oder Recklinghausen mit dem Auto selbst bei freien Straßen von dort aus nicht in einer Stunde zu erreichen sind. Über die Fahrzeit mit dem ÖPNV sollte lieber gar nicht erst gesprochen werden.

Das Konzept der „kompakten Spiele“, das auch der Ministerpräsident, Hendrik Wüst, immer wieder hervorhebt, ist schon in Paris nur sehr zweifelhaft umgesetzt worden. In NRW würde es endgültig zur Farce werden. Eigentlich versteht das IOC darunter, dass die meisten Wettkampfstätten geografisch eng beieinander liegen und es kurze Wege für Athlet*innen, Medien und Zuschauer*innen gibt. Zudem sollte das olympische Dorf zentral liegen und der Transport effizient und sicher erfolgen können. Die Region Rhein und Ruhr ist aber polyzentrisch, was auch durch die Konzentration auf Köln als erstgenannte Bewerberstadt nicht aufgelöst wird. Dementsprechend liegen die Wettkampfstätten eher weiter auseinander und Fahrtzeiten von 60-90 Minuten wären völlig realistisch. Damit ist das Verkehrsaufkommen eher erhöht, was dem ebenfalls vorgegebenen Ziel der „nachhaltigen Spiele“ widerspricht, und eine stressfreie Anfahrt für die Athlet*innen ist häufig auch nicht möglich.

Das Konzept der kompakten Spiele steht auch im Widerspruch mit den anderen Argumenten, die für Olympia in NRW immer wieder vorgebracht werden. So wird damit geworben, dass die bestehenden Sportstätten genutzt werden sollen, und die Dezentralität als Stärke bezeichnet.

NRW kann vieles bieten, aber sicher keine „kompakten Spiele“.