Landesregierung hat kein Konzept - Nach längerer Lethargie immer noch intransparente Planungen
Eine zeitlang hatte man den Eindruck, so richtig glaubt die Landesregierung in NRW selbst nicht an eine aussichtsreiche Bewerbung für Olympia. Als Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) Ende Mai 2025 das Konzept für die Bewerbung vorstellte, gab es nichts außer einer Pressemitteilung und warmen Worten. München hatte ein Gutachten zur Planung und konkrete Zahlen zu den Kosten vorgelegt. Der Ministerpräsident des größten Bundeslandes setzte auf die Sportbegeisterung der Bevölkerung und darauf, dass das Konzept nachhaltig sei weil, „… 95 % der notwendigen Sportstätten bei uns bereits bestehen oder nur temporär ertüchtigt oder errichtet werden müssten.“
Inzwischen ist immerhin geklärt, dass die Bürgerentscheide in den 17 in NRW beteiligten Städten am 19.4.2026 stattfinden sollen, und es gibt Zahlen zu den Kosten: Im Januar erklärte Herr Wüst, die Durchführung der Spiele würde 4,8 Millliarden Euro kosten, die Einnahmen lägen bei 5,2 Milliarden Euro. Diese Zahlen sind allerdings durch gar nichts belegt und liegen zudem deutlich niedriger, als die tatsächlichen Kosten der ebenfalls als nachhaltig geplanten Olympischen Spiele 2024 in Paris, laut französischem Rechnungshof 6,6 Milliarden Euro.
Das ist in höchstem Grade unsolide. Immerhin geht es um einen Event, der frühestens in zehn Jahren stattfinden soll – und der soll 28 % unter den Kosten von Paris 2024 liegen? Hinzu kommt, dass es bei der Zeitspanne 2036, 2040 und 2044 um weitere acht Jahre geht, und das bei gleichen Kosten? Und dabei reden wir gar nicht von Einnahmen, die 400 Millionen Euro über den Ausgaben liegen sollen. In den vergangenen Jahrzehnten gab es nur eine Olympiade, bei der die Einnahmen über den Ausgaben lagen. Das war 1984 in Los Angeles.
Ein Konzept, das offenlegt, welche konsumptiven und welche investiven Ausgaben anstehen, liegt bis heute nicht vor. Was muss an den Sportstätten umgebaut werden, wie soll die bis zu gut 62.000 Zuschauer*innen fassende Schalke-Arena in Gelsenkirchen in ein Schwimmstadion umgewandelt werden, was soll das Olympische Dorf kosten und wie soll es in der Folge genutzt werden und was muss beim ÖPNV investiert werden – keine Aussagen. Auch zu den Sicherheitskosten gibt es nichts. Dabei dürften die Sicherheitsregelungen in den Stadien weit entfernt von olympischen Standards sein. In Paris waren die Sicherheitsausgaben der Posten, der am meisten stieg: Von geplanten 200 Millionen Euro auf 1,44 Milliarden Euro, mehr als das Siebenfache.
<ZwÜ>1 Milliarde Euro für den Breitensport?
Trotz der völlig undurchsichtigen Zahlenangaben setzt der Ministerpräsident auf ein tolles Ergebnis der Bürgerentscheide, mit dem er punkten kann. Außerdem argumentiert er jetzt mit der im Vergleich angeblich besonders hohen Zahl von möglichen Tickets, die im sportbegeisterten NRW für die „größten Spiele aller Zeiten“ verkauft werden könnten. Dabei muss die Landesregierung nur noch ein Problem klären: In Paris lagen die Ticketpreise z.B. beim Schwimmen in den Endrunden bei bis zu 300 Euro – und das Schwimmen soll in einer der ärmsten deutschen Städte stattfinden.
Zur Eröffnung der Kampagne für die Mobilisierung für die Bürgerentscheide hat Hendrik Wüst verkündet, dass das Land NRW neben der „Sportmilliarde“ des Bundes eine weitere Milliarde in den Sport in NRW investieren will. Sie soll für die Modernisierung, Sanierung und den Neubau von Sportstätten eingesetzt werden und aus dem milliardenschweren NRW-Investitionsplan für Infrastruktur kommen. Der Landessportbund hat das als Schritt in die richtige Richtung begrüßt. Nach einer Studie der KfW liegt der Investitionsstau im Bereich Sport bundesweit jedoch bei 12,12 Milliarden Euro, davon 3,5 Milliarden Euro in NRW. Da wäre es doch besser, gleich hier mehr Geld hineinzustecken, als beim Abenteuer Olympia womöglich Milliarden zuzuschießen, sofern es denn überhaupt kommt.
