Olympia – kein Katalysator für den Breitensport
Die Bewegung, die Deutschland jetzt braucht, so wirbt der Deutsche Olympische Sportbund für die Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland.
Mut oder Übermut bleibt als Frage für die geneigten Leser*innen eines solchen Mottos zurück. Vieles, was Deutschland im Moment bräuchte, vor allem Investitionen in die Infrastruktur unseres Landes, in Schulen, in den ÖPNV, in Gesundheit, Klima- und Naturschutz und und und.
Anders gesagt: Deutschland braucht eine Bewegung für einen Politikwechsel.
Es muss bezweifelt werden, ob eine Olympiabewerbung dafür wirklich der richtige Hebel ist.
Unbestritten ist: Olympische Spiele sorgen für einen Investitionsschub. Sportstätten werden gebaut oder saniert, Verkehrswege ertüchtigt und auch die kulturelle Infrastruktur profitiert. Aber wie nachhaltig ist das?
Leistungs- und Spitzensport ist nicht denkbar ohne eine breite Verankerung an der Basis. Talente fallen nicht vom Himmel, sondern brauchen von Beginn an eine gute Förderung und Unterstützung. Dafür bräuchte es bereits gute Bedingungen in Kitas und Schulen, aber auch die Förderung von Sportvereinen und Übungsleiterinnen und Übungsleitern.
Der Landessportbund NRW schätzt den Investitionsbedarf im Bereich der Sportinfrastruktur auf 3,6 Milliarden Euro. Dem steht im Moment ein Programm des Landes für 2026 mit einem Volumen von 600 Millionen Euro gegenüber. Davon sollen 200 Millionen Euro für Investitionen für Sportinfrastruktur von Vereinen, 200 Millionen Euro für Investitionen für kommunale Sportinfrastruktur und 200 Millionen Euro für Investitionen in kommunale Schwimmbadinfrastruktur vorgesehen sein.
Zudem stellt der Bund im Jahr 2026 330 Millionen Euro zur Verfügung, aber eben nicht nur für NRW.
Dass die Kommunen derzeit überhaupt nicht in der Lage sind, aus eigenen Mitteln die notwendigen Investitionen zu stemmen, dürfte angesichts der kommunalen Finanzlage niemanden überraschen.
Deswegen ist eine Olympiabewerbung nicht glaubwürdig, die nicht erkennen lässt, dass sich mit einer solchen Bewerbung (im besten Fall natürlich unabhängig davon) nachhaltige Investitionen in den Breitensport verbinden. Das beste Leichtathletikstadion nützt niemandem, wenn der Nachwuchs und der Freizeitsport keine guten Bedingungen zum Sporttreiben hat.
Und nicht nur das. An den Schulen sieht es nicht besser aus. Die wenigsten Schulen haben Sportanlagen, die dem Stand der Zeit entsprechen. Sport- und Schwimmunterricht leiden nicht nur unter fehlenden Sportplätzen und Sporthallen, sondern auch unter fehlendem Lehrpersonal. Auch hier braucht es dringend mehr Anstrengungen des Landes und nicht nur warme Worte.
Aber auch das Ehrenamt ist entscheidend im Breitensport. Ohne das Engagement vieler Menschen gäbe es weder funktionierende Vereine noch ausreichend Übungsleiterinnen und Übungsleiter für den Breitensport.
Und auch hier kann das Land einiges tun. Das beginnt bei der Unterstützung der Vereine in den Bereichen Aus- und Fortbildung und geht bis hin zu Themen, wie einfach es ist, einen Förderantrag zu stellen und auch die Verwendung von Fördermitteln nachzuweisen.
Deshalb müsste eine gute Olympiabewerbung der Region Rhein-Ruhr begleitet werden von einem Programm zur Stärkung der Sportvereine, aber auch des Schulsports in NRW. Dazu braucht es eine Förderung des ehrenamtlichen Engagements von Übungsleiter*innen und Trainer*innen, aber auch mehr und vor allem besser bezahlte Trainer*innen an den Landesstützpunkten.
Das wäre dann wirklich eine Bewegung für mehr Bewegung, für mehr Partizipation und Teilhabe, eine Bewegung von unten, die eine Olympiabewerbung deutlich glaubhafter machen würde als eine Bewerbung von Leuchttürmen, die aber nach den Spielen nur wenig Wirkung in die Gesellschaft haben werden.
