Olympia wie 1936?
Wann immer man als Berlinerin am Olympiastadion vorbeikommt, gibt es neben der Vorfreude auf ein Fußballspiel oder ein Konzert mindestens ein mulmiges Gefühl. Das Stadion ist eben nicht irgendeines, sondern ein in Beton gegossenes Monument der Nazi-Spiele von 1936.
Nur drei Jahre vor dem Einmarsch in Polen und dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges waren die Olympischen Sommerspiele vor allem zur internationalen Propagandashow für die Nazis geworden. Viele Sportler und Journalisten sahen damals nur das, was sie sehen wollten. Während die Nazis unter Hitler das “Weltfriedensfest” feierten, entstand zeitgleich nahe Berlin das Konzentrationslager Sachsenhausen. Die internationale Gemeinschaft versagte.
Egal ob in Rhein und Ruhr, an der Ostsee, in Berlin, Hamburg oder München: Olympische Spiele ausgerechnet 100 Jahre nach den Nazi-Spielen in Deutschland sind schlicht geschmacklos und geschichtsvergessen. Anstatt sich um neue Milliardenprojekte für Anleger zu kümmern, gilt es, Politik für die Millionen zu machen und in Infrastruktur und Bildung zu investieren.
Statt die Olympischen Spiele nach Deutschland zu holen, sollt die Geschichte uns mahnen, dass der Aufstieg der Rechten mit scheinbar harmlosen Spielen begann und in Konzentrationslagern endete.
