Oympia und der Schienenverkehr

Gastbeitrag Roland Schüler, Köln

Sollen wir glauben, dass das marode NRW-Schienennetz bis 2040/2044 so saniert ist, dass es den deutlichen Zuwachs an Olympiareisenden ohne Probleme zu den olympischen Sportstätten befördern kann? Zusätzlich zu den vielen Fahrgästen, die heute schon den Nahverkehr nutzen, und denen, die für die Verkehrswende umsteigen.

Dann muss in NRW viel größer gedacht werden. Die bisherigen Zielnetze von DB, VRR und GoRheinland reichen dafür bei weiten nicht aus. Zudem hinken alle Planungen dem Zielnetz hinterher.

Auch müssen die Fahrzeuge jetzt bestellt werden, damit sie 2040/2044 ausgeliefert sind und störungsfrei fahren. Und natürlich das Personal vorhanden sein.

In allen 16 Städten mit olympischen Sportstätten müssen die Nahverkehrsverbindungen von den Bahnhöfen zu den Sportstätten ausgebaut werden – mit Schiene oder Bus. Ein sportliches Ziel.

2024 haben die Städte der UEFA versprochen, dass der Transport reibungslos zu den Fußballstadien klappen wird. Doch die Bilder aus Gelsenkirchen zeigten eine andere Realität. UEFA-Funktionäre waren entsetzt über den nicht funktionierenden Nah- und Fernverkehr in Deutschland.

Die Lage des olympischen Dorfs und des Olympiastadions in Köln-Kreuzfeld ist aus Sicht der Schiene – und damit der nachhaltigen Verkehrsanbindung – auf der falschen Rheinseite (!).

Mit hohem Aufwand wird der RRX-Ausbau Rhein-Ruhr mit 15 Minuten Takt auf der rechten Rheinseite geplant und gebaut. Und ist, wenn alles gut geht, 2040 fertig.

Auf der linken Eisenbahnstrecke Köln-Neuss nahe Köln-Kreuzfeld ist nichts geplant.

Doch dieser Schienenstrang ist heute mit dem Güterverkehr, zwei Regionalbahnen und einer S-Bahn (in Köln 2 S-Bahnlinien) völlig überlastet. Da passt kein weiterer Zug mehr rein oder die Pünktlichkeit leidet. Dies kann bei den Umleitungsverkehren regelmäßig beobachtet werden.

Weiterhin ist die Verbindung Neuss-Düsseldorf ins Ruhrgebiet heute stark belastet und hat Schwierigkeiten im Bahnknoten Düsseldorf.

Der geplante Ausbau des Knoten Kölns sieht ebenfalls keine Verbesserung für die Verbindung Köln-Neuss vor.

Der Schwung, den viele erhoffen, wenn das IOC den Zuschlag für die Rhein-Ruhr-Olympiade erteilt, kann nur fertige Planungen beschleunigen, aber nicht die, wo es keine Planung gibt. Selbst in München wurde das Vorhaben der U9 aus der Bewerbung genommen, da das Projekt noch nicht durchgeplant ist.

Olympia und Schienenverkehr kann nur dann funktionieren, wenn es ein gutes Schienennetz mit fahrenden Nahverkehrsunternehmen gibt. Doch in NRW fehlt völlig die Grundlage. Eine seit 1994 marode Infrastruktur und die fehlenden Schienenfahrzeuge müssen erst abgearbeitet werden. Mehr ist in den nächsten 20 Jahren nicht drin.

www.nolympia-colonia.de