"Zum Geldverdienen taugen Olympische Spiele nicht." (Zitat Prof. Dr. Timo Zimmermann, Studiengangsleitung Strategic Sports Management und International Sports Management an der ISM, Dortmund im WDR)

Prof. Dr. Arno Bitzer, Professor für BWL, insbes. Controlling an der TH Köln i.R.

Wenn auch die Idee eines solchen und gerade dieses Sportevents sehr reizvoll erscheint und Impulse sich positiv auf die Wirtschaft auswirken können („Wirtschaft ist zu 50% Psychologie.“ Ludwig Erhard), so sei doch hier auf die offenen Probleme und Risiken der Bewerbung von Rhein-Ruhr hingewiesen.

Das Eingangszitat stimmt für den DSOB und das IOC so wohl nicht. Und da beginnen bereits die Probleme. Sollten nicht die potenziellen Profiteure die Kosten des Verfahrens tragen? Allein die Kosten für das deutschlandinterne Bewerbungsverfahren werden mit 60 Mio € vermutlich eher zu niedrig als zu hoch geschätzt. Wie passen da die 500.000 € ins Bild, die gemäß Ministerpräsident Hendrik Wüst im Landeshaushalt 2025 für die Bewerbung zur Verfügung gestellt werden (nachzuhören im Podcast „18 Millionen …“, WDR Online vom 30.05.2025)? Das reicht nicht für die Erstellung eines Konzeptes, einer überschlägigen Kostenabschätzung, ja nicht einmal annähernd für Vorbereitung und Durchführung der vorgesehenen Bürgerbefragungen in den beteiligten Kommunen. Inzwischen sollen offenbar allein für den Landesanteil an den Bürgerentscheiden 9,5 Mio aus für 2026 geplanten Zuschüssen für Investitionen im Sportbereich entnommen werden, die dann anderswo fehlen dürften.

Als ökonomische Argumente für die Spiele werden die Investitionen in die Infrastruktur und die Erstellung von Wohnraum (z.B. Nachnutzung des olympischen Dorfs) ins Feld geführt. Dass solche Investitionen an Rhein und Ruhr nicht nur wünschenswert, sondern von überragender Bedeutung und Notwendigkeit sind, wird kaum jemand bestreiten. Doch sollen diese Investitionen tatsächlich erst 2036, 2040 oder gar 2044 kommen? Oder brauchen wir entsprechende Investitionsprogramme nicht jetzt oder wenigstens baldmöglichst?

Ein Nachteil solcher Investitionen im Zusammenhang mit den Spielen ist übrigens die Unterordnung aller anderen Aspekte unter den Stichtag: allerspätestens am Tag des Beginns der Spiele muss alles fertiggestellt sein. Gerade aber Infrastruktur- und Bauprojekte verzögern sich häufig gegenüber der Planung, die Nennung von spektakulären Beispielen (Hauptstadtflughafen BER, Stuttgart 21 etc.) fällt außerordentlich leicht. Wenn dann der Fertigstellungstermin der zentrale Engpass ist, geraten andere Aspekte wie z.B. Qualität oder Kosteneffizienz unter Druck. Dies ist ein zusätzlicher Kostentreiber neben dem allgemeinen Risiko der Kostensteigerungen bei (Groß-) Projekten.

Dieser Punkt wird ja ohnehin immer wieder als Risiko benannt und soll hier abschließend angerissen werden: Das Kostenrisiko ist beträchtlich. Nach einer Studie der Oxford University (The Oxford Olympics Study 2024) haben alle Olympischen Spiele seit 1960 den jeweils vorgeplanten Kostenrahmen bei weitem überstiegen. In realen Kosten, d.h. nach herausrechnen der Inflationsrate liegt der Rekord bei Montreal 1976 mit 720%, die letzten 3 Sommerspiele überschritten das jeweilige Budget um mehr als 100% real. Da, wie eingangs erwähnt, ein ausgearbeitetes Konzept für die Spiele in der Rhein-Ruhr-Region nach meinem Kenntnisstand noch nicht vorliegt und somit auch der Kostenrahmen nicht klar ist, lässt sich diesbezüglich nur spekulieren. Und die Frage steht im Raum: Wie wahrscheinlich ist es, dass ausgerechnet diese Spiele den geplanten Kostenrahmen einhalten werden?