Diese Website verwendet Cookies. Warum wir Cookies einsetzen und wie Sie diese deaktivieren können, erfahren Sie unter Datenschutz.
Zum Hauptinhalt springen

AG 1: Situation in der häuslichen Pflege

Care-Konferenz am 22.9.2018 in Bochum

Picasa

Wie ambulante Dienste und sorgende Angehörige unter Pflege leiden
76 Prozent aller Pflegebedürftigen werden in Deutschland zu Hause versorgt. Damit sind die rund 5 Millionen pflegenden Angehörigen die tragende Säule unseres Pflegesystems. Doch die Situation in der häuslichen Pflege ist katastrophal: Berichte über extreme Belastungen, häufige Armut und soziale Isolation sind fast wöchentlich in den Medien. Dies wird im Workshop anhand von aktuellen Daten und auf der Basis unserer Erfahrungen als Interessenvertretung pflegender Angehöriger dargestellt.
Nachdem die Problemfelder skizziert wurden, sollen auch mögliche Lösungen aufgezeigt und anschließend diskutiert werden. Insbesondere stehen im Workshop die Themen Entlastung, soziale Absicherung und Vereinbarkeit von Pflege und Beruf im Fokus.
Referent*in: Christian Pälmke, Wir pflegen e.V.
Silke Schmidt, Altenpflegerin
Moderation: Sylvia Gabelmann, MdB

Bericht aus der Arbeitsgruppe:

76 % der zu pflegenden Menschen sind zuhause, in Deutschland gibt es 5 Millionen pflegende Angehörige.

Christian Pälmke (Wir pflegen e.V.): "Eines der größten Probleme für pflegende Angehörige ist die Verarmung. Viele, die sich für die Pflege zuhause entscheiden, landen in ALGII und damit in Armut.
Hätten wir die Angehörigen nicht, würde die Pflege zusammenbrechen. 63 Stunden werden zuhause in der Woche gepflegt. Da gibt es keinen Feierabend und kein Wochenende. Wir haben das einmal mit Arbeitnehmer*innenrechten verglichen. Es gibt keinen Lohn für pflegende Angehörige. Keine Begrenzung der Arbeitszeit, keinen Urlaubsanspruch, und die soziale Absicherung ist katasrophal. 
Die Belastung ist extrem hoch, und die pflegenden Angehörigen verlieren Erwerbslohn und soziale Absicherung."

Silke Schmidt (Altenpflegerin, war in der ambulanten Pflege tätig): "Ich bin seit fünf Jahren aus der Pflege ausgestiegen, weil die Bedingungen krank machen. Und vor allem, weil man nicht mehr in den Spiegel schauen kann. Man geht nach hause mit dem Gefühl, dass man nicht so gearbeitet hat, wie man es für richtig gehalten hat, wie man es fachlich gelernt hat und auch professionell umsetzen wollte, sondern so, wie die Uhr tickt. 
Pflege ist gerade auch im ambulanten Bereich zeitlich begrenzt. Es wird nicht geguckt, wie hoch der Bedarf ist oder was der zu Pflegende eigentlich braucht, sondern du musst eine Grundpflege in 30 Minuten erledigt haben. Man fühlt sich nur noch als Zeitmaschine, aber nicht mehr als Mensch, der für andere da ist."


Picasa
Silke Schmidt hat als Altenpflegerin in der häuslichen Pflege gearbeitet. Hier als Referentin der Care-Konferenz am 22.9.18
Picasa
Christian Pälmke von Wir pflegen e.V. Hier mit Moderatorin Sylvia Gabelmann (MdB) bei der Care-Konferenz am 22.9.18