Gnadenlose Gesetze des Marktes contra HIV-Prävention?

MdB, Kathrin Vogler
Presseerklärung MdB Kathrin Vogler

„Die Antwort der Bundesregierung auf meine Frage zur Sicherstellung der bisherigen Erfolge der HIV-Prävention und Behandlung ist entlarvend", erklärt Kathrin Vogler von der Linken im Bundestag. Vogler weiter: „Zwar werden absehbare Lieferprobleme bei der Wirkstoffkombination Emtricitabin/Tenovirdisoproxil, die sowohl in der Prävention als auch in der Therapie von HIV-Infektionen eine wichtige Rolle spielt, nun dem Ministerium zügig mitgeteilt. Doch eine Information allein ist noch kein Schutz vor Versorgungsengpässen." So schreibt die Bundesregierung:

„Dennoch lässt sich ein Lieferengpass aufgrund unternehmerischer Entscheidungen oder unvorhersehbarer Störungen im Herstellungsprozess nicht vollumfänglich ausschließen.“
 
Hierzu Vogler: „Die HIV-Therapie ist eine Erfolgsgeschichte. Aus einer tödlich verlaufenden Krankheit wurde eine gut behandelbare chronische Infektion. Ein weiterer Meilenstein ist die Präexpositionsprophylaxe (PrEP), ein Medikament, das eine Ansteckung mit HIV verhindern kann. Sie ist ein wichtiger Baustein in der HIV-Prävention und hat zu einer weiteren Senkung der Neuinfektionen geführt. Doch wenn die für diese Medikamente notwendigen Wirkstoffe nicht lieferbar sind, werden Patient:innen zu einem Therapiewechsel gezwungen, der mit Nebenwirkungen verbunden sein kann. Gerade die gravierenden PrEP-Engpässe sind fatal. PrEP-Benutzer:innen werden nicht in jedem Fall zum Kondom oder anderen Safer-Sex-Praktiken zurückkehren. Die Gefahr eines Anstiegs der HIV-Neuinfektionen steigt dadurch an, gerade bei Männern, die Sex mit Männern haben.
                         
Dieses Marktversagen zeigt nicht nur an, dass der Markt mehr Regeln benötigt, sondern es ist zu überlegen, ob nicht der Staat in Kernbereichen der Pharmazie selbst zum Produzenten werden muss, um die Medikamentenversorgung für die Gesellschaft sicherzustellen. Es hört sich radikal an: Aber mehr Staat statt Markt wäre in vielen Bereichen der Gesundheitsversorgung ein großer Gewinn für die Patientinnen und Patienten statt nur für die Rendite von Wenigen."
 

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